Der Show-down fand nicht statt: Nach den monatelangen kontroversen Auseinandersetzungen um den künftigen Kurs der europäischen Sozialdemokraten ist auf dem Pariser Kongress der Sozialistischen Internationale Anfang November der Eklat vermieden worden. Blair, Schröder und Jospin haben ihre Reden gehalten; eine Pariser Erklärung ist verabschiedet worden, in der sich die Hauptprotagonisten mehr oder minder wiederfinden können; die Matadoren kehren in die Mühen ihres innenpolitischen Alltags zurück. Immerhin können die Franzosen zufrieden sein: Tony Blair, der noch 1997 am liebsten die als altmodisch eingestufte Sozialistische Internationale sprengen und stattdessen mit Hilfe der US-Demokraten und der Partei Romano Prodis einen lockeren Mitte-Links-Verbund bilden wollte, hat zurückgesteckt. Der Sozialistischen Internationale (die unter der Präsidentschaft des Willy-Brandt-Nachfolgers Pierre Mauroy zahlreiche neue Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika aufnehmen konnte und nunmehr 170 Mitgliedsparteien zählt), gelang es, ihre Position als internationaler Bund sozialdemokratischer und progressistischer Parteien zu festigen.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.