Ausgabe Dezember 1999

Formelkompromisse der Eurolinken

Der Show-down fand nicht statt: Nach den monatelangen kontroversen Auseinandersetzungen um den künftigen Kurs der europäischen Sozialdemokraten ist auf dem Pariser Kongress der Sozialistischen Internationale Anfang November der Eklat vermieden worden. Blair, Schröder und Jospin haben ihre Reden gehalten; eine Pariser Erklärung ist verabschiedet worden, in der sich die Hauptprotagonisten mehr oder minder wiederfinden können; die Matadoren kehren in die Mühen ihres innenpolitischen Alltags zurück. Immerhin können die Franzosen zufrieden sein: Tony Blair, der noch 1997 am liebsten die als altmodisch eingestufte Sozialistische Internationale sprengen und stattdessen mit Hilfe der US-Demokraten und der Partei Romano Prodis einen lockeren Mitte-Links-Verbund bilden wollte, hat zurückgesteckt. Der Sozialistischen Internationale (die unter der Präsidentschaft des Willy-Brandt-Nachfolgers Pierre Mauroy zahlreiche neue Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika aufnehmen konnte und nunmehr 170 Mitgliedsparteien zählt), gelang es, ihre Position als internationaler Bund sozialdemokratischer und progressistischer Parteien zu festigen.

Dezember 1999

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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