Ausgabe April 2001

Genom global

Gleich zweimal wurde in den vergangenen Monaten auf internationaler Bühne die "Entschlüsselung" des menschlichen Genoms als historisches Ereignis inszeniert: im Juni 2000 (Fertigstellung der "Arbeitsversion") und im Februar 2001 (Veröffentlichung der Genomdaten). Wohl kein wissenschaftliches Ereignis hat nach der Mondlandung 1969, mit der das Humangenomprojekt (HGP) vielfach verglichen wird, eine solche globale öffentliche und mediale Aufmerksamkeit gefunden - und ist zugleich mit so gemischten Gefühlen ob der gesellschaftlichen Chancen und Risiken aufgenommen worden. Gebannt folgte die Weltöffentlichkeit der "Landung auf dem Planeten Genom" (so eine Schlagzeile in der "Süddeutschen Zeitung"), die als Wettlauf dargestellt wird zwischen "den Guten", dem öffentlichen HGP, und "dem Feind" Craig Venter und seiner Firma Celera Genomics. Jedoch unterschlägt diese Lesart, dass auch das HGP selbst trotz der beträchtlichen internationalen Kooperation - von vielschichtigen Konkurrenzbeziehungen vorangetrieben und geprägt wird. Wesentliche Ursache hierfür ist ein grundlegender Wandel im Verhältnis zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik, der das HGP als erstes Großforschungsprojekt der Biologie begleitet.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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