Ausgabe Mai 2003

Dieser alles beherrschende Bezugsrahmen

Palästina/Israel und das tödliche Ende der deutsch-jüdischen Symbiose

Aus heiterem Himmel fragte mich vor einigen Wochen eine in Amerika geborene und dort ausgebildete palästinensische Wissenschaftlerin: „Frau Hass, ich war überrascht zu hören, dass es in Israel Witze über den Holocaust gibt. Stimmt das?“ Ihre Überraschung überraschte mich, ja sie kränkte mich sogar ein wenig. Ich dachte an unseren Galgenhumor, an die schwarzen Witze, die wir erfanden und in der Schule, zuhause sowie unter Freunden herumerzählten – ein Ausdruck psychischer Ausgeglichenheit, würde ich sagen. Und ich schaffte es zu antworten: „Natürlich gibt es die. Sie scheinen ja keine hohe Meinung von den Israelis zu haben.“

Ich gebe zu: eine miserable Antwort angesichts der Tatsache, dass Israel seit 55 Jahren die wichtigste Macht im Leben der Palästinenser ist und ihren Alltag diktiert; dass es seit 36 Jahren ein Besatzungsregime aufrecht erhält – und seit zweieinhalb Jahren ein grausiges Regiment andauernder Militäroffensiven gegen ein ganzes Volk führt. „Das können Sie mir kaum zum Vorwurf machen“, antwortete sie passender Weise.

Ich bestand auf dem Versuch, die israelische Besatzungsherrschaft für einen Augenblick außen vor zu lassen, und entgegnete: „Von einer Anthropologin hätte ich erwartet, dass sie nicht überrascht ist“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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