Kann man hinsichtlich der meisten Folgen des Putschversuchs vom 19. August 1991 sagen, daß sie auf eine Weiterführung von Gorbatschows Politik mit anderen Mitteln nämlich konsequenter, beschleunigt und rücksichtsloser - hinauslaufen, so gilt das nicht für die KPdSU. Die älteste kommunistische Partei ist ziemlich ruhmlos von der politischen Bühne abgetreten. Die unmittelbare Beteiligung von Führungsmitgliedern am Putsch, die zumindest abwartende, vielfach offen unterstützende Haltung des Parteiapparates boten der Koalition um Jelzin den seit langem gesuchten Anlaß zum faktischen Verbot der Partei. Die Konzeption Gorbatschows, die KPdSU schrittweise in eine Parlamentspartei sozialdemokratischen Typs zu verwandeln, die sich z.B. in dem kürzlich veröffentlichten Programmentwurf abzeichnete, ist damit gegenstandslos geworden. Mit vielleicht wenigen Ausnahmen wie in Kasachstan wird den kommunistischen Parteien bzw. ihren Nachfolgern ähnlich wie in Osteuropa die Rolle stark geschrumpfter, unter erheblichem Druck stehender Oppositionsparteien zufallen. Der Leningrader Parteisekretär Gidaspow rechnet mit einem Mitgliederverlust von mindestens 80%, was in der Größenordnung den osteuropäischen und ostdeutschen Erfahrungen entspricht.
Es ist mehr als nur eine Zahl, es ist eine Mahnung: 8372 muslimische Jungen und Männer wurden am 11. Juli 1995 in Srebrenica, einem Ort im Osten Bosnien und Herzegowinas, getötet.