Ausgabe März 1992

Gewaltiges Lehrstück

Die Gewalt von Hoyerswerda, Hünxe und anderswo hat mancherorts für Verstörung gesorgt, weil es mit der "zilivisierten Gesellschaft" nicht sonderlich weit her ist, wenn Turbulenzen auftreten. Die hochpolierte Oberfläche im Westen scheint dünner als vielfach angenommen.

Nun stellen sich Fragen nach dem weiteren Umgang mit diesen Problemlagen. Dies um so dringlicher, weil die politischen Initiativen zur Veränderung der Lebenssituationen von Opfern wie Tätern oder Sympathisanten nicht sichtbar sind. Daran ändern auch die gutgemeinten Medienkampagnen nichts, die bestenfalls zu einer öffentlichen Vorurteilsrepression führen können. Außerdem ist zu bezweifeln, ob die Vorurteilsrepression wirklich gelingt, denn sie funktioniert nur dann, wenn es einen "wasserdichten" politischen Konsens dazu gibt. Davon kann keine Rede sein, deshalb bleibt die Situation auch brisant. Denkbar wären mehrere Wege, um sich über zukünftiges Handeln zu verständigen, wenngleich die Chancen schlecht stehen.

Denn es ist nicht einmal ausgemacht, ob ein ernsthaftes Interesse daran besteht, das Gewaltniveau und die Entstehungsbedingungen innerhalb der beiden deutschen Gesellschaften genauer zu untersuchen.

März 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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