Ausgabe Juli 1993

Vier plus Eins

Mit Kulturkreisen, die "mit dem unseren vor und nach Prinz Eugen nichts gemein" haben 1), ist das so eine Sache. Rudolf Augstein hätte es wissen können. Seinem Blatt ist die Geschichte entnommen, wie einmal dem Gründerkanzler der halben deutschen Republik in der Fremde die eigene Kultur begegnete und vermutlich ganz Zwiespältiges hinterließ: "Bei Konrad Adenauers Besuch in der Kriegsschule in Ankara hatte man darauf verzichtet, ihm eine Feldübung vorzuführen.

Aber schon bei der Gymnastikübung in der Kriegsschule schlugen die deutschen Herzen höher. Dann trat der leitende Türke, der drei Jahre in Deutschland auf der Reichssportschule gewesen war, an die Tribüne vor und rief laut: 'Wir grüßen den deutschen Bundeskanzler mit einem dreifachen Sieg Heil!' Die Mannschaft brüllte, daß die Fundamente zitterten." 2)

Beerdigungs-Professionals

Der Türkei-Besuch des Enkels in der zweiten Maihälfte des laufenden Jahres, ganze acht Tage am Beileidstourismus vorbei, verlief ohne atmosphärische Störungen jedweder Art - wie die nationale Presse schulterklopfend vermerkte - vor allem dank der Gabe des Kanzlers, Lob (Demokratie und Freundschaft) und Tadel (Menschenrechte und Kurden) für die Gastgeber gekonnt zu dosieren 3).

Juli 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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