Ausgabe Juli 1993

Vier plus Eins

Mit Kulturkreisen, die "mit dem unseren vor und nach Prinz Eugen nichts gemein" haben 1), ist das so eine Sache. Rudolf Augstein hätte es wissen können. Seinem Blatt ist die Geschichte entnommen, wie einmal dem Gründerkanzler der halben deutschen Republik in der Fremde die eigene Kultur begegnete und vermutlich ganz Zwiespältiges hinterließ: "Bei Konrad Adenauers Besuch in der Kriegsschule in Ankara hatte man darauf verzichtet, ihm eine Feldübung vorzuführen.

Aber schon bei der Gymnastikübung in der Kriegsschule schlugen die deutschen Herzen höher. Dann trat der leitende Türke, der drei Jahre in Deutschland auf der Reichssportschule gewesen war, an die Tribüne vor und rief laut: 'Wir grüßen den deutschen Bundeskanzler mit einem dreifachen Sieg Heil!' Die Mannschaft brüllte, daß die Fundamente zitterten." 2)

Beerdigungs-Professionals

Der Türkei-Besuch des Enkels in der zweiten Maihälfte des laufenden Jahres, ganze acht Tage am Beileidstourismus vorbei, verlief ohne atmosphärische Störungen jedweder Art - wie die nationale Presse schulterklopfend vermerkte - vor allem dank der Gabe des Kanzlers, Lob (Demokratie und Freundschaft) und Tadel (Menschenrechte und Kurden) für die Gastgeber gekonnt zu dosieren 3).

Juli 1993

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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