Eine „Agrarwende“ einzuleiten versprach Renate Künast, als sie Anfang 2001 das neu zugeschnittene Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium übernahm. Lange überfällig ist ein forcierter ökologischer Umbau des Agrarsektors zweifellos: Lediglich 2,6% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche werden hier zu Lande ökologisch bewirtschaftet, 2,4% aller Betriebe wirtschaften ökologisch. Damit liegt Deutschland zwar knapp über dem EU-Durchschnitt (1,9%), wird aber von Ländern wie Österreich (gut 10%) oder Schweden und Finnland (fast 6%) deutlich übertroffen. Ein Schwerpunkt der anvisierten agrarpolitischen Neuorientierung liegt auf der Fleischerzeugung[1]: Beschränkung des Antibiotika-Einsatzes bei der Mast auf kurative Anwendung; Kopplung der Rinderprämien an eine verstärkte Extensivierung der Rinderhaltung; Einführung einer Positivliste für erlaubte Futtermittel und umfassende Deklarierung von Futtermittelbestandteilen sowie die Einschränkung von Tiertransporten. Der zweite Bereich, den bereits Künasts Vorgänger Karl-Heinz Funke verstärkt ausbauen wollte, ist der ökologische Landbau[2]: Dessen flächenmäßiger Anteil soll in den nächsten fünf Jahren vervierfacht und innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf 20% erhöht werden.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.