Ausgabe Dezember 2004

Von Fortuyn zu Van Gogh

Am 3. November wurde der holländische Filmemacher und Publizist Theo Van Gogh von einem extremistischen Muslim in Amsterdam auf offener Straße ermordet. Der Mörder, der sowohl die niederländische als auch die marokkanische Staatsangehörigkeit besitzt, hatte seine Tat gut vorbereitet und ging mit äußerster Brutalität vor. Ein Brief, der am Körper Van Goghs gefunden wurde, richtete Drohungen an Politiker, vor allem aber an die Adresse der liberalen Politikerin Ayaan Hirsi Ali. Zusammen mit ihr hatte Van Gogh, der seine Kritik bevorzugt gegen die multikulturelle Gesellschaft und den Islam richtete, im letzten Sommer den Kurzfilm Submission Part 1 gedreht. Der Film, der frauenfeindliche Texte im Koran anprangert, wurde im holländischen Fernsehen ausgestrahlt und sorgte für viel Aufregung. Es folgten Todesdrohungen an die Adressen Van Goghs und Hirsi Alis. Die Politikerin erhielt Personenschutz, während Van Gogh diesen ablehnte. Die holländischen Behörden drängten ihn auch nicht sonderlich dazu, diesen Schutz anzunehmen, denn spätestens seit dem Mord an dem Rechtspopulisten Pim Fortuyn sind Morddrohungen an Politiker und Künstler in den Niederlanden an der Tagesordnung. Angst vor einem Attentat spielte Van Gogh noch kurz vor seinem Tod mit der Bemerkung herunter: "Wenn es passiert, dann passiert es halt".

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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