Ausgabe Mai 2019

Warlords vs. Technokraten: Der afghanische Machtkampf

Ghulam Nabi betreibt einen kleinen Saftstand nahe der berühmten Blauen Moschee von Mazar-e Sharif, der Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Balkh. Das Geschäft läuft gut. Tagtäglich besuchen zahlreiche Menschen die Moschee und das Mausoleum, in dem Ali, der Vetter und Schwiegersohn des islamischen Propheten Mohammad begraben sein soll. Im Anschluss kommen viele zu Nabi, um einen frischen Orangen- oder Granatapfelsaft zu trinken. 

Der Saftverkäufer kann sich nicht beschweren, auch nicht über die Sicherheitslage. „Vor einigen Tagen gab es hier Probleme. Doch die wurden zum Glück schnell gelöst“, meint er. Die Ereignisse haben nichts mit den Taliban oder anderen aufständischen Gruppierungen zu tun. Stattdessen geht es um jene Scharmützel, die sich vor wenigen Wochen die Truppen von Präsident Ashraf Ghani mit Anhängern von Noor Mohammad Atta, dem ehemaligen Gouverneur der Provinz Balkh, lieferten. Sie sind Ausdruck eines sich zuspitzenden inner-afghanischen Machtkampfes, in dem sich zwei Seiten gegenüberstehen: auf der einen Seite die amtierende, vorwiegend mit Technokraten besetzte Regierung, die wenig Rücksicht auf traditionelle Machtstrukturen nimmt; auf der anderen Seite Kriegsfürsten wie Atta, die skrupellos ihre Macht zu sichern versuchen.

Hintergrund des Konflikts ist die vor einem Jahr getroffene Entscheidung der afghanischen Regierung, den Posten des Gouverneurs von Balkh neu zu vergeben.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema