Ausgabe November 2019

Spanien: Gefangen im Dauerwahlkampf

Am 10. November wird in Spanien gewählt, und das bereits zum vierten Mal in vier Jahren. Obendrein findet dieser Urnengang im Schatten eines Urteils statt, das zu einer weiteren Spaltung des Landes führen könnte. Im Prozess gegen die Spitze der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung hat das Oberste Gericht in Madrid Mitte Oktober neun der zwölf Angeklagten zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Den Politikern wird die Organisation und Durchführung des vom spanischen Verfassungsgericht verbotenen Unabhängigkeitsreferendums im Herbst 2017 vorgeworfen. Sie hätten sich deswegen des „Aufruhrs“, teils in Verbindung mit Veruntreuung, schuldig gemacht. Das Urteil sorgte in Katalonien für massive Proteste und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.

Die Dynamik scheint dabei wie so oft in diesem Konflikt der Logik des „Je schlimmer, desto besser“ zu folgen. Denn im Streit um die sezessionistischen Bestrebungen der Region im Nordosten Spaniens befeuern sich seit jeher die Extreme: Auf der einen Seite erwägt der separatistische Regionalpräsident Quim Torra im katalanischen Parlament als Antwort auf den Richterspruch ein neues Referendum. Zugleich dominieren die Bilder aus Barcelona von brennenden Barrikaden und vermummten Demonstranten, die sich Straßenkämpfe mit der Polizei liefern, landesweit die Abendnachrichten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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