Ausgabe April 2023

Londons Flüchtlingsabwehr, Ruandas Geschäft

Migranten, die den Ärmelkanal in einem Schlauchboot überquert haben, kommen an einem Strand in Dungeness an, 25.11.2021 (IMAGO / i Images)

Bild: Migranten, die den Ärmelkanal in einem Schlauchboot überquert haben, kommen an einem Strand in Dungeness an, 25.11.2021 (IMAGO / i Images)

Zehntausende Geflüchtete haben im vergangenen Jahr, teils in kleinen Schlauchbooten, die gefährliche Überfahrt über den Ärmelkanal nach Großbritannien gewagt, über 45 000 von ihnen haben es geschafft – mehr als je zuvor. Angesichts dieser Zahlen erklärte Premierminister Rishi Sunak Anfang Januar, die Bekämpfung der irregulären Migration sei eine der höchsten Prioritäten seiner Regierung. Ein Vorhaben, das diesem Ziel dienen soll, ist der bereits 2022 noch unter Premier Boris Johnson vorgestellte Plan, Asylsuchende, deren Asylanträge vom Vereinigten Königreich als unzulässig eingestuft werden – etwa weil sie auf ihrer Flucht ein „sicheres Drittland“ durchquert haben –, im Rahmen eines Migrationsabkommens nach Ruanda abzuschieben, wo sie stattdessen ein Asylverfahren durchlaufen sollen. Dieser Plan allerdings ist äußerst umstritten.

Nachdem der Oberste Gerichtshof im Dezember vergangenen Jahres das Vorhaben im Grundsatz für rechtlich zulässig erklärt hatte, ist Mitte Januar eine weitere Entscheidung des Gerichts ergangen, wonach einzelne Aspekte des britisch-ruandischen Abkommens vom Berufungsgericht überprüft werden können. Im Kern wird es dabei um die Frage gehen, ob Ruanda ein sicherer Hafen für Asylsuchende im Sinne der Flüchtlingskonvention ist oder ob ihnen, auch wenn sie dort als asylberechtigt anerkannt wurden, eine Schlechterstellung oder gar eine Abschiebung in ein anderes Land droht.

120 Mio. Pfund, 135 Mio.

»Blätter«-Ausgabe 4/2023

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Chile: Leere Versprechen für die Indigenen?

von Malte Seiwerth

Am 1. Juni hielt der chilenische Präsident Gabriel Boric zum letzten Mal seine jährliche Rede vor den beiden Parlamentskammern des südamerikanischen Landes, eine Tradition, die seit 1833 gepflegt wird. Nach dreieinhalb Jahren im Amt wirkte seine Rede bereits wie ein Abschied.