Warum afrikanische Staaten für ein internationales Abkommen kämpfen
Bild: Agrey Dravule beim Lake Cleanup des Victoriasees (© Yannick Tylle)
Agrey Dravule taucht seinen Zeh ins Wasser, bevor er in seine Flossen steigt. Dann stülpt er die Taucherbrille über sein Gesicht und steckt sich das Mundstück der Gasflasche, die auf seinen Rücken geschnallt ist, zwischen die Zähne. Mit großen Schritten watet der 25-jährige Ugander im Neoprenanzug in das grün schimmernde Wasser des Victoriasees. Die Mission des Tauchers: Das verdreckte Gewässer von Unrat, vor allem Plastikmüll, zu befreien. Das kleine ugandische Fischerdorf Guda, von wo aus Dravule tauchen geht, liegt etwa 30 Kilometer von Ugandas Hauptstadt Kampala entfernt. Die rund 500 Dorfbewohner leben in selbstgebauten Holzbaracken mit Wellblechdach, ohne Wasseranschluss, Toiletten oder Stromversorgung. Die meisten sind Fischer, sie leben davon, was der See ihnen bietet.
Der Victoriasee im Herzen Afrikas, an dessen Ufer Ugandas Hauptstadt Kampala liegt, ist das drittgrößte Süßwassergewässer des Planeten, etwa so groß wie Bayern. Er spendet den rund 30 Millionen Menschen entlang seiner Ufer Wasser, er liefert Fisch und er dient als Transportweg. Viele Afrikaner glauben, der fruchtbare Boden rund um den See sei die Wiege der Menschheit: das Paradies an der Quelle des Nils, von wo aus sich die menschliche Zivilisation den Fluss entlang bis nach Ägypten ausbreitete.
Doch allmählich verwandelt sich der See in einen Fluch, weil sein Ökosystem stirbt.