9/2011: Demokratie in der Demokratur
Angesichts der revolutionären Erhebungen in Lateinamerika vor zwanzig Jahren warnte die feministische Theologin Dorothee Sölle vor einer bloß formalen Demokratie ohne ideellen und materiellen Unterbau.
Angesichts der revolutionären Erhebungen in Lateinamerika vor zwanzig Jahren warnte die feministische Theologin Dorothee Sölle vor einer bloß formalen Demokratie ohne ideellen und materiellen Unterbau.
Im September besucht Papst Benedikt XVI. die Bundesrepublik – vor 15 Jahren analysierte der Politikwissenschaftler Franz Walter die wechselhafte Entwicklung des deutschen Katholizismus der letzten 100 Jahre, von der „katholischen Sonderkultur“ bis zur „Cafeteria-Religion“.
Die Regierung Obama stellte soeben die kompletten „Pentagon Papers“ frei. Vor genau 40 Jahren hatte der US-Botschaftsmitarbeiter Daniel Ellsberg diese US-Geheimdokumente über den Vietnamkrieg veröffentlicht, was maßgeblich zum Ende des Krieges beitrug.
Während des Eichmann-Prozesses in Jerusalem räsonierte Bundespräsident Heinrich Lübke darüber, wie „Mitglieder unseres Volkes sich an solchen Verbrechen beteiligen (sic!) konnten“. Dagegen erhob der bekannte Berliner Propst und Gegner des Nationalsozialismus Heinrich Grüber Einspruch.
Nach langer schwerer Krankheit starb am 22. März im Alter von 69 Jahren Frank Niess, langjähriger Redakteur des SDR (später SWR) und Autor zahlreicher Bücher und geschliffener Artikel, darunter so mancher für die „Blätter“.
Bereits vor 30 Jahren setzte die Atomwirtschaft alles daran, das teurer werdende Öl sukzessive zu ersetzen. Der Biologe Dieter Teufel, heute Leiter des Umwelt- und Prognose-Institits (UPI) in Heidelberg, wies dagegen nach, dass die Atomwirtschaft damit vor allem eines betreibt: die Ausweitung der Energieveschwendung
Vor dreißig Jahren analysierte „Blätter“-Herausgeber Rudolf Hickel die verheerende neoliberale Wirtschaftsagenda Ronald Reagans, dessen 100. Geburtstag dieser Tage weithin gefeiert wird
Vor 20 Jahren, gut ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer, stand die Welt vor einem neuen Golfkrieg, und es drohte ein kriegerisches Auseinanderbrechen der Sowjetunion. Das veranlasste „Blätter“-Redakteur Arthur Heinrich zu der Frage: „Das Ende vom Anfang einer besseren Welt?“
Vor zehn Jahren, am 20. Januar 2001, wurde mit George W. Bush ein US-Präsident vereidigt, der nicht vom Volk gewählt, sondern vom
Obersten Gericht ernannt worden war. Die Ära Clinton war beendet – und Frank Unger zog „Ein subjektives Resümee der Clinton-Jahre“.
Vor 20 Jahren schrieb der spätere Demokratiepreisträger der „Blätter“, der Theologe und Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann, einen brillianten Text über die deutsche Verfassungsgeschichte und das ungelöste Problem der Einheit.
Am 2. Oktober starb der Germanist und „Blätter“-Autor Georg Bollenbeck. In seinem Beitrag „Nation, Volk, Staat“ („Blätter“, 7/1994, S. 823-833) prophezeite er eine neue „Allianz zwischen Armutsnationalismus und Arroganznationalismus“ – eine Prognose, die im Gefolge der Sarrazin-Debatte nicht an Bedeutung verloren hat.
Vor 20 Jahren, zum Monat der deutschen Vereinigung, schrieb Thomas Schmid, heute Herausgeber von Springers „Welt“, ein bemerkenswertes „Plädoyer wider die Selbstaufgabe der Bundesrepublik“ und die grassierende „Berlin-Meierei“ (vgl. „Blätter“ 10/1990, S. 1182-1189).
Schon vor der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR am 3. Oktober 1990 stellte Arno Klönne in einem bemerkenswerten Artikel die bis heute aktuelle Frage: „Die Deutschen – auf dem Weg in die Zivilgesellschaft?“.
Dass es sich bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko keinesfalls um einen erst- oder gar einmaligen Fall handelt, zeigt die Debatte um die geplante Versenkung der Ölplattform Brent Spar vor genau 15 Jahren:
Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung führte „Blätter“-Mitherausgeber Günter Gaus ein großes Gespräch mit Egon Bahr über die Brandtsche Entspannungspolitik und ihre Folgen – sowie ihre unabgegoltenen Forderungen, bis in die Gegenwart der „pax americana“ („Blätter“, 7/2000, S. 791-802).
Exakt vor 20 Jahren, in den Juni-„Blättern“ 1990, erschien ebenfalls ein pointiertes Portrait von Oskar Lafontaine auf seinem Weg zur Bundestagswahl: Heinz Thüer, Der Herausforderer. Ein Portrait des Kandidaten Lafontaine, S. 687-692.
Am 3. Oktober 1990 endete die DDR; bereits in der Mai-Ausgabe desselben Jahres fragten die „Blätter“, was von ihr bleiben werde. Darauf gaben bis heute beeindruckende Antworten Bärbel Bohley, Gerd und Ulrike Poppe, Jens Reich, Wolfgang Ullmann, Konrad Weiß und Rosemarie Will (siehe „Blätter“ 5/1990).
Angesichts der grassierenden schwarz-grünen Spekulationen empfehlen wir den Blick zurück auf die heiß umkämpfte Gründungsphase der Grünen vor und nach ihrem ersten Parteitag: Reinhold Billstein, „Die Grünen“ nach Saarbrücken, in: „Blätter“ 4/1980.
Ausnahmsweise in „Zurückgeblättert“ diesmal keinen Hinweis auf einen Artikel, sondern auf einen Brief an die „Blätter“, geschrieben im März 1960 von dem 82jährigen Dichter und Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse.
Aus Anlass des unlängst begangenen Todestages des weit vorausschauenden Schriftstellers, Ökologen und Friedenskämpfers Hans Henny Jahn erinnern wir an dessen große Beiträge in den „Blättern“: Der Mensch im veränderten Weltbild (12/1957); Zwölf Jahre Warnungen vor der Atombombe (5/1958); Haben wir das neue Weltbild im Geiste bewälti
Anlässlich des Todes unseres langjährigen Mitherausgebers Jörg Huffschmid erinnern wir – stellvertretend für seine zahlreichen „Blätter“-Analysen – an den Aufsatz über „Die neoliberale Deformation Europas“ („Blätter“, 3/2007) und den Finanzcrash-Kommentar über „Die Rückkehr des Staates“ (&bd
Vor 50 Jahren forderte Robert Scholl, der Vater der Geschwister Scholl und langjährige Mitherausgeber der „Blätter“, eine „Abkehr vom Kalten Krieg“ – ein Gedanke, der später durch die Brandtsche Ostpolitik verwirklicht werden sollte („Blätter“, 12/1959, S. 1011-1015).
Aus Anlass des 80. Geburtstags von Günter Gaus, des 2004 verstorbenen großen Publizisten, Politikers und langjährigen Herausgebers der „Blätter“, erinnern wir dieses Mal an das „Blätter“-Gespräch mit Egon Bahr vom November 1999 über „Ein Deutschland, das Nein sagen kann“, welches Günter Gaus zu dessen 70.
Bereits vor zehn Jahren analysierte der Historiker Axel Schildt „Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen“: als Erfolgs-, Misserfolgs-, Modernisierungs-, Belastungs- und Verwestlichungsgeschichte (in: „Blätter“ 10/1999, S. 1234-1244).
Dieses Mal verweisen wir auf den hellsichtigen Artikel von Achim von Borries, „Zehn Jahre Provisorium und sein Preis“, aus dem Septmeber-Heft 1959, der die Krisenanfälligkeit des westdeutschen Konsumkapitalismus (das „eigentliche Grundgesetz der Bundesrepublik“) diagnostiziert – und eine neue Entspannungspolitik gegenüber DDR und Sowjetunion fordert, die