12/19: Abkehr vom Kalten Krieg
Vor 60 Jahren, zu Hochzeiten der Blockkonfrontation, plädierte Robert Scholl, Oberbürgermeister i.R. der Stadt Ulm, »Blätter«-Mitherausgeber und Vater von Hans und Sophie Scholl, für eine »Abkehr vom Kalten Krieg«.
Vor 60 Jahren, zu Hochzeiten der Blockkonfrontation, plädierte Robert Scholl, Oberbürgermeister i.R. der Stadt Ulm, »Blätter«-Mitherausgeber und Vater von Hans und Sophie Scholl, für eine »Abkehr vom Kalten Krieg«.
Am 19. Oktober starb mit 82 Jahren der große Denker und Praktiker radikaler Demokratie und Herrschaftskritik Wolf-Dieter Narr. Sein erster Text in den »Blättern« erschien bereits vor über 50 Jahren und trug den programmatischen Titel »Modelle einer demokratischen Gesellschaft«.
Am 21. August starb der glänzende Jurist und Publizist Dieter Deiseroth, lange Jahre Richter am Bundesverwaltungsgericht, der mit vielen Artikeln in den »Blättern« streitbar Position bezog – gegen den Krieg und für das Whistleblowing
Vor 25 Jahren entwarf der damalige Fraktionschef der Grünen und spätere Bundesaußenminister Joschka Fischer die Leitlinien seiner Außenpolitik:
Vor 60 Jahren untersuchte der marxistische Philosoph und langjährige »Blätter«-Autor Hans Heinz Holz in zwei grundlegenden Analysen »Selbstbewußtsein und Krise des Liberalismus« (8/1959, S. 646-658, und 10/1959, S. 875-883).
Vor 40 Jahren analysierte der bekannte Friedensforscher Ulrich Albrecht die Gründung der Bundesrepublik unter außenpolitischen Vorzeichen:
Ulrich Albrecht
Die dreimal nach rechts gegründete Republik
Im Schicksalsjahr 1989 führten die »Blätter«-Redakteure Karl D. Bredthauer ,und Arthur Heinrich ein großes Gespräch mit Wjatscheslaw Daschitschew, dem damaligen Berater von Michail Gorbatschow und Vordenker der Perestroika:
Am 5. April starb im Alter von 67 Jahren Axel Schildt, einer der renommiertesten Zeitgeschichtler der Bundesrepublik, der auch immer wieder für die »Blätter« geschrieben hat, u.a. über: Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen.
Die Gründung der Nato wurde in den »Blättern« fast zu jedem runden Jubiläum analysiert, siehe:
Hans-Moritz von Frankenberg und Proschlitz
Zehn Jahre Nato – zehn Jahre Unsicherheit
In einem bemerkenswerten »Appell an alle« warnte vor 60 Jahren der »Blätter«-Herausgeber Karl Graf von Westphalen als Vorstandsmitglied des neutralistischen »Deutschen Klubs 1954« vor einem neuen heißen Krieg und plädierte für »fällige Revisionen«.
Karl Graf von Westphalen
In der Februar-Ausgabe vor 40 Jahren schrieb der Soziologe Maurice Zeitlin, Professor an der University of California in Los Angeles, den instruktiven Text: »Wem gehört Amerika?«:
Der Theologe Helmut Gollwitzer, während der NS-Zeit Mitglied der oppositionellen Bekennenden Kirche, schrieb vor 50 Jahren in der Januar-Ausgabe der »Blätter« einen grundlegenden Text über die Rolle der Kirche vor dem Hintergrund der Studentenbewegung.
Vor 30 Jahren erschien in den »Blättern« ein hoch aktueller Text des SPD-Vordenkers Peter Glotz zur Krise der Linken und speziell der Gewerkschaften: »Agressiver Traditionalismus oder Ausbruch aus der Wagenburg«
Zum 40. Jahrestag des deutschen Schicksalsdatums, den 9. November 1918, schrieb der große Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel einen gleichermaßen grundlegenden wie auch heute noch aktuellen Essay: »Geschichtsbewußtsein, Krieg und Wirtschaft«.
In diesem Monat erinnern wir an zwei Intellektuelle von globaler Ausstrahlung, die beide im August verstorben sind: Samir Amin und Uri Avnery. Sie werden bitter fehlen.
Zu seinem 80. Geburtstag am 13. September gratulieren wir unserem Mitherausgeber Detlef Hensche, dem linken Vordenker und letzten Vorsitzenden der IG Medien (1992-2001), ganz herzlich mit zwei hoch aktuellen Beiträgen aus seiner eigenen Feder:
Auch vor 60 Jahren sah sich die Welt einer Eskalation der Krisen gegenüber, ausgehend von einem neuen Kurs in den USA; dazu schreibt die Historikerin und Friedensaktivistin Renate Riemeck in den »Blättern«:
Anders als häufig dargestellt, kam »68« nicht aus dem Nichts. Schon zehn Jahre zuvor begann die »Kampf-dem-Atomtod«-Bewegung.
Zu ihr gehörten auch die StudentInnen Ulrike Meinhof und Jürgen Seifert:
Die Verabschiedung der Notstandsgesetze am 30. Mai 1968 steht, neben den Schüssen auf Rudi Dutschke, für den Anfang vom Ende der Studentenbewegung. Wir dokumentieren die Rede des damaligen »Blätter«-Mitherausgebers Helmut Ridder anlässlich der Abschlusskundgebung des Sternmarsches gegen die Notstandsgesetze am 11. Mai 1968 in Bonn
Bereits zehn Jahre vor 1968 begann mit »Kampf dem Atomtod« die erste große Protestbewegung der Bundesrepublik. Dazu schrieb die Ziehmutter von Ulrike Meinhof, die Professorin Renate Riemeck, in der Mai-Ausgabe 1958:
Anlässlich des Todes des großen Politikwissenschaftlers und Friedensforschers Ekkehart Krippendorff erinnern wir an seine durchaus bittere Bilanz zur Emeritierung:
Zehn Jahre nach der Revolte von 1968 und auf dem Höhepunkt des RAF-Terrorismus fragte der marxistische Philosoph Hans Heinz Holz nach dessen philosophischer Grundlage: »Hat der Terrorismus eine theoretische Basis?«.
Hans Heinz Holz
Am 13. Dezember 2017 starb im Alter von 79 Jahren der deutsche Politologe, Friedensforscher und brillante Autor Reinhard Mutz. Seine zahlreichen Beiträge für die »Blätter« haben nicht an Aktualität verloren, etwa seine Analyse »Libyen: Lizenz zum Töten?«
Reinhard Mutz
Vor 60 Jahren beschrieb der Theologe und »Blätter«-Mitherausgeber Hans Iwand das große Ver- und Beschweigen während des Kalten Krieges und der Schriftsteller Paul Schallück kritisierte das apokalyptische Freund-Feind-Denken.
Hans Iwand
Das ARD-Magazin »Monitor« konnte ermitteln, dass der 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte Asylbewerber Oury Jalloh mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet wurde. Schon 2010 waren Dirk Vogelskamp und Wolf-Dieter Narr in den »Blättern« dieser Überzeugung: »Verbrannt in Dessau«.