Für die Europäer westlich und östlich des ehemaligen "Eisernen Vorhangs" entstanden aus der Abdankung des osteuropäischen Systems des Sozialismus eine ganze Reihe ganz neuer Probleme. Ihnen eröffneten sich völlig neue Einsichten in die politisch-ökonomische Lage ihres Kontinents und dessen bislang hinter dem ideologischen Schleier von Systemkonfrontation und Kaltem Krieg verborgene - Entwicklungslogik. Marktwirtschaft und Prosperität, die nun nach den Verheißungen des sich fast unwidersprochen zum historischen Sieger erklärenden wilsonistischen "Internationalismus" sofort ungehindert und segenbringend auf ganz Europa hätten übergreifen sollen wie ein mächtiger Fluß nach dem Dammbruch, stießen sofort an scheinbar ganz unmarktwirtschaftliche Grenzen: Die Europäische Gemeinschaft - auf dem Weg zur Europäischen Union - mußte im Osten als mitnichten für jeden offener Club zur Kenntnis genommen werden, offen nicht einmal für die, die guten Willens und bereit sind, Staatseigentum in Privateigentum verwandeln zu lassen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.