Ausgabe Mai 1998

Für ein Israel der Gegenwart

Eli Löbel oder Eine politische Gegenbiographie

In den Debatten um Israel und den Zionismus artikulierte sich das Dilemma linker, jüdischer und nichtjüdischer Intellektueller in diesem Jahrhundert: die Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus, konkreter Parteinahme und allgemeinen Prinzipien, Verantwortung für die antisemitische Struktur der eigenen Gesellschaft und beanspruchter Verantwortung für die ganze Welt." So Micha Brumlik im Vorwort des von ihm unter dem Titel "Mein Israel" edierten Sammelbandes, der aus Anlaß des 50. Jahrestags der Gründung des Staates Israel in diesem Mai erscheint (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M.). Mit freundlicher Genehmigung von Autor, Herausgeber und Verlag haben wir unter den "21 erbetenen Interventionen", die der Band versammelt, die folgende zum Vorabdruck ausgewählt. In der "Gegenbiographie" des Eli Löbel gelingt es Dan Diner, wie wir finden, die zitierte These eindringlich zu veranschaulichen. Titel und Anmerkungen der "Blätter"Version stammen vom Verfasser. - D. Red.

Platos Höhlengleichnis steht für verschobene Abbildung als Form von Erkennen wie Erkenntnis. Eli Löbels politisches Leben steht für eine verschobene Biographie Israels. Und sie mündet in einen Satz der Erkenntnis von dialektischer, befreiender Wucht.

Mai 1998

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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