Ausgabe Mai 2016

Syrien oder: Die Strategie der Zerstörung

Ein halbes Jahrzehnt ist seit den ersten Kundgebungen vergangen, auf denen viele Syrer im Frühjahr 2011 Rechte und Würde forderten. Das Regime von Baschar al-Assad hat auf die Proteste vom ersten Tag an mit brutaler Repression reagiert. Der Einsatz des gesamten staatlichen Gewaltapparats war in der politischen Führung in Damaskus akzeptiert. Man denke nur an die Erklärung von Rami Makhlouf. Er ist ein Cousin von Assad und steht an der Spitze eines dank der Deregulierungspolitik der 2000er Jahre erworbenen Wirtschaftsimperiums. Im Mai 2011 verkündete er: „Wir werden bis ans Ende gehen.“ Die daraufhin von den zahlreichen Sicherheitsdiensten inszenierte Ökonomie der Gewalt ist einer der Pfeiler, auf dem die Beharrungskraft des syrischen Regimes ruht.[1]

Das Syrien von 2011 war urban. Ungefähr 75 Prozent der 21 Millionen Syrer lebten in einem Band von Städten, das sich im Wesentlichen im Westteil des Landes und entlang des Euphrat-Tals erstreckt. Der Rest des Landes wird von der Badya genannten Steppe beherrscht. Große regionale oder nationale Metropolen (von Nord nach Süd: Aleppo, Hama, Homs und Damaskus), um die sich ein bedeutendes Gefüge von Mittel- und Kleinstädten schloss, verkörperten vor allem das städtische Wachstum.

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