Ausgabe Juli 2018

Ausschluss und Abwertung: Was Muslime und Ostdeutsche verbindet

Die deutsche Gesellschaft ist polarisiert. Trotz guter Konjunktur klafft die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Und obwohl die Staatseinnahmen von Jahr zu Jahr steigen, fallen dringend nötige Investitionen in Bildungseinrichtungen oder die Infrastruktur vermeintlichen Sparzwängen zum Opfer. Zugleich glauben immer mehr Bundesbürger, ihren Kindern werde es einmal schlechter gehen als ihnen selbst. Angesichts all dessen ist auch der gesellschaftliche Diskurs extrem polarisiert: Befürworter und Gegner der pluralen Demokratie stehen sich teils unversöhnlich gegenüber – als deren Sinnbild sehen letztere wahlweise die Globalisierung, die EU, Genderdebatten oder die „Überfremdung“. Dabei herrscht eine beinahe dystopische Stimmung. Kurzum: Das Land befindet sich in akutem Identitätsstress. Das wird oft gefällig und anschlussfähig mit der gestiegenen Zahl von Migranten erklärt: Man erkenne sein Land nicht mehr wieder bei so vielen Fremden. Doch die Kopplung der Identitätsfrage an die Zahl der Migranten ist ein kausaler Trugschluss. Der damalige slowakische Premierminister Robert Fico hatte 2015 schon angesichts von 145 Flüchtlingen behauptet, diese würden den Charakter des Landes verändern, und ihnen deswegen die Aufnahme verweigert. In der Türkei, die 2,8 Millionen Geflüchtete aus Syrien aufgenommen hat, stellt sich eine solche Identitätsfrage hingegen bis heute nicht.

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