Ausgabe Januar 2024

20 Jahre »Blätter« in Berlin

Vor 20 Jahren endete für die „Blätter“ eine Ära: Nach gut 47 Jahren im Rheinland, erst in Köln, dann in Bonn, zog unsere Zeitschrift nach Berlin um, in das bis heute aktuelle Domizil in der Torstraße 178 in Berlin-Mitte. Dieser Umzug ging einher mit einem Wechsel in der Redaktion: Der langjährige (Chef-)Redakteur Carlo Bredthauer zog sich nach 35 Jahren (siehe Ausgabe 12/2023) aus der Redaktion zurück und es übernahmen Albrecht von Lucke und Annett Mängel.

In den 20 Jahren, die seither vergangen sind, gelang es dem neuen Team, das alsbald durch Albert Scharenberg und Daniel Leisegang verstärkt wurde, den Abonnentenstamm der Zeitschrift von knapp 6000 auf mehr als 12000 zu verdoppeln – und das in einer Zeitschriftenlandschaft, die immer mehr von Auflagenschwund und Zeitungssterben geprägt ist.

Während Albert Scharenberg und Daniel Leisegang uns inzwischen leider verlassen haben, konnten wir uns mit Anne Britt Arps (2011), Steffen Vogel (2015), Tessa Penzel (2022) und zuletzt, im Sommer 2023, mit Ferdinand Muggenthaler, Physiker und Journalist, Mitgründer der „Jungle World“ und langjähriger Pressesprecher von Amnesty International, redaktionell vervollständigen. Und ein starkes Team brauchen wir: Denn schaut man heute auf das Jahr des Umzugs zurück, stellt man fest, wie fundamental sich die Lage in der Republik seither geändert hat – politisch wie journalistisch.

Vor 20 Jahren konnte noch von einer gewissen progressiven Deutungshoheit die Rede sein, symbolisiert auch, bei aller Kritik, durch eine rot-grüne Regierung. Heute hingegen erleben wir einen gewaltigen rechts-konservativen Backlash, befinden sich linke und liberale Stimmen und Parteien zunehmend in der Defensive. Umso dringender braucht es Zeitschriften, die an den Prinzipien von Aufklärung und Universalismus, von Demokratie und Menschenrechten festhalten. Denn die Herausforderungen sind in den vergangenen 20 Jahren nicht kleiner geworden, im Gegenteil: Die Klimakrise wird immer drängender, seit dem russischen Angriffskrieg steht die europäische Friedensordnung zur Disposition, und weltweit sind autoritäre und nationalistische Kräfte auf dem Vormarsch.

Dank unserer redaktionellen und finanziellen Unabhängigkeit – und damit dank Ihnen, liebe Leserinnen und Leser – sind wir gut aufgestellt für diese politisch wie wirtschaftlich stürmischen Zeiten. Damit das auch künftig so bleibt, empfehlen und verschenken Sie die „Blätter“ doch gerne weiter – oder gönnen Sie sich selbst ein Abo, sofern Sie noch keines haben. Ein besonders schönes Angebot finden Sie derzeit mit unserem Aktionspaket: blaetter.de/abo.

Wir wünschen Ihnen jedenfalls ganz herzlich alles Gute für das neue Jahr,

Ihre „Blätter“-Redaktion

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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