Ausgabe September 1995

UNO ade?

Die Vereinten Nationen feiern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag, aber statt Glückwunschadressen hagelt es Schmähungen und Kritik. Sie hätten die neue Weltordnung verspielt, so heißt es, in Bosnien-Herzegowina versagt, ihr Prestige und ihre Ehre verloren, weil sie immer nur zugesehen und nicht zugeschlagen haben. Sind diese Vorwürfe auch absurd - wir bewerten ja die Medizin auch nicht danach, daß sie den Krebs nicht beseitigt hat -, so könnten sie doch Methode haben. Die UN haben den Ost-West-Konflikt, obwohl er sie 40 Jahre lang blockiert, fast eingefroren hatte, gut überstanden. Jetzt aber, wo sie zu neuer Bedeutung aufwachsen könnten, wendet sich die Welt, wendet sich interessanterweise vor allem der Westen, von ihnen ab. Er steht, so scheint es, vor einer Renaissance der militärischen Gewalt als Mittel internationaler Politik, vor einer Rückkehr zu Bilateralismus und Machtpolitik, zu den ganz alten außenpolitischen Denkweisen also. Verursacht wird diese erstaunliche Wende rückwärts zunächst dadurch, daß die nach vorn ausgeblieben ist. Auf das Ende des OstWest-Konflikts hat der Westen nicht mit gründlicher Abrüstung, nicht mit einem politischen Hausputz geantwortet, der seinen Herrschafts- und Machtapparat dem Frieden angepaßt hätte. Er ist etwas verkleinert, aber im übrigen im alten Rang belassen worden.

September 1995

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Putins Geschäft mit der Verzweiflung

von Sophie Tiedemann

In Russland könnte angesichts der schwierigen militärischen Lage in der Ukraine im Herbst eine Generalmobilmachung bevorstehen – ein Szenario, das Wladimir Putin bisher vermieden hat. Stattdessen setzte er vor allem auf hohe Anwerbeprämien – und den Einsatz tausender Menschen aus dem Globalen Süden.