Ausgabe März 2019

White Privilege oder: Die Lüge von der Farbenblindheit

Whitefacing

Bild: David-W- / photocase.com

Wenn es um Frauen geht, löst der Mangel an Repräsentation sofort Rufe nach umfassenden Quoten aus. 2015 forderte die London School of Economics Genderquoten auf allen staatlichen und privaten Leitungsebenen. Als eine Studie im selben Jahr zeigte, dass weniger als 20 Prozent der leitenden Managerstellen in London von Frauen besetzt waren, forderten Frauen im Finanzsektor Quoten, um die Überrepräsentation von Männern abzubauen.[1] Laut einer Befragung im Jahr 2013 befürwortete die Hälfte der Frauen in der Bauindustrie – viele von ihnen arbeiteten in Firmen mit nur zehn Prozent Frauen in der Belegschaft – Quoten.[2]

Die Sprache, die benutzt wird, um das Bewusstsein für ähnliche Probleme zu schärfen, wenn es um Hautfarbe geht, ist wesentlich weniger eindeutig. Statt Quoten in Betracht zu ziehen – anhand derer sich der Fortschritt in Zahlen bemessen lässt –, sind die vorgeschlagenen Lösungen vage. Der Direktor des Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills, eine Abteilung des Bildungsministeriums, schlug 2015 den Einsatz positiver Diskriminierung bei der Einstellung von Lehrern vor und unterstrich, dass die ethnische Zusammensetzung der Lehrerschaft die der Schüler widerspiegeln sollte, die sie unterrichten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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