Ausgabe April 2020

Irland: Mit links zur Einheit?

Irlands politische Landschaft erlebt derzeit ein regelrechtes Erdbeben. Stets dominierte in den knapp hundert Jahren seit der Unabhängigkeit von Großbritannien eine der beiden konservativen Parteien das politische Geschehen im Land. Jeder Ministerpräsident kam entweder aus den Reihen von Fianna Fáil (FF) oder von Fine Gael (FG). Doch das dürfte nun Geschichte sein: Bei den Parlamentswahlen vom 8. Februar konnte die linke Sinn Féin (SF) – ehemals politischer Arm der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) – überraschend deutlich die meisten Stimmen auf sich vereinen. Die beiden Platzhirsche mussten dagegen Einbußen hinnehmen und kassierten eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer jeweiligen Geschichte.

Zugleich ist die irische Sozialdemokratie in zwei Parteien gespalten (Social Democrats und Irish Labour Party), die selbst zusammen nur auf knapp über sieben Prozent kommen. Die Grünen wiederum haben hinzugewonnen und sind zur viertstärksten Kraft aufgestiegen.[1]

Diese starke Fragmentierung des Parteiensystems erklärt sich nicht zuletzt aus dem Wahlmodus: In Irland wird per proportionalem Personenwahlverfahren gewählt, bei dem die Wähler*innen Präferenzstimmen an einzelne Kandidat*innen verteilen können und dabei pro Wahlkreis mindestens drei Mandate vergeben.

April 2020

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Schutzzölle und Ratlosigkeit: Europa und der China-Schock

von Merle Groneweg

Schon im Mai 2024 schrieb Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in seiner Kolumne für die »New York Times«, inzwischen sei klar, »dass sich ein zweiter China-Schock aufbaut«. Der sogenannte erste China-Schock bezieht sich auf die 1990er und 2000er Jahre, als Importe aus China schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der USA verdrängten.