Ausgabe November 2019

Produktiver, grüner, friedlicher?

Die falschen Versprechen des digitalen Kapitalismus,Teil II

Bild: alashi/istockphoto.com

Wie aber sieht es mit dem Versprechen der Digitalisierung aus, eine ökologische Restrukturierung der Volkswirtschaften durch geringeren Ressourcenverbrauch zu fördern? Optimistischen Berechnungen zufolge könnten elektronische Zeitungen und Bücher Millionen Tonnen Papier einsparen, was theoretisch zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen um einige Megatonnen führen würde. Allerdings fehlen in solchen Rechnungen meist die dafür benötigten Computer, Smartphones und E-Reader, deren Herstellung und Betrieb ebenfalls CO2-intensiv sind. Ähnliche Berechnungen für andere neue digitale Technologien wie Elektrofahrzeuge oder Smart Homes berücksichtigen keine Glasfaserkabel, Sensoren, Prozessoren, Displays und vieles mehr, für deren Herstellung Rohstoffe in großen Mengen verbraucht werden. Unberücksichtigt bleibt auch, dass bei der Produktion und für den Betrieb dieser Produkte elektrischer Strom benötigt wird und die Entsorgung oder das Recycling älterer und defekter Produkte ebenfalls energieaufwendig ist. Und doch haben all diese Technologien erhebliche Auswirkungen auf die „wirkliche Ökonomie“ von Energie- und Stofftransformationen.

Gewiss könnten neue Materialien auf Kohlenstoffbasis, die leicht und billig sind und Strom mit begrenztem Wärmeverlust leiten, zahlreiche Industrien verändern, darunter die Automobil-, Luftfahrt- und Elektronikindustrie.

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