Ausgabe Januar 2020

Im Fadenkreuz der Großmächte

Der Balkan und die Krisen der EU

Der Balkan ist zurück in der europäischen Debatte. Nachdem sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Oktober erst gegen Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien und Albanien wandte, legte er Anfang November nach: Er stellte die Erweiterung der EU um die seit Jahren beitrittswilligen Westbalkanstaaten grundlegend in Frage und bezeichnete Bosnien-Herzegowina als tickende „Zeitbombe“.[1] Er sprach damit von einem Land, das seit 1995 mit einer Übergangslösung mehr schlecht als recht lebt: Es ist eher ein Protektorat als ein Staat. Der von der UNO eingesetzte Hohe Repräsentant hat ein Veto-Recht und kann Gesetze kassieren oder erlassen. Alle drei Ethnien – Bosniaken, Serben, Kroaten – haben Schulbücher mit sich widersprechenden Geschichtsdeutungen und blockieren sich mit ihrer Kompromissunfähigkeit gegenseitig.

Die Kontroverse um Macrons Äußerungen verweist auf ein bekanntes Problem: In einer neuralgischen Übergangsregion wie dem Balkan, die im Visier verschiedener Mächte liegt, ist die Einheit oft nur von kurzer Dauer. Als Ganzes war die Balkanhalbinsel zuletzt im Römischen Reich vereint. Nach der Reichsteilung von 395, der Geburtsstunde von Byzanz, entstanden sukzessive Grenzen, die unterschiedliche Machthaber, darunter die Osmanen, wieder vor- und zurücksteckten.

Januar 2020

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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