Monate nach Hünxe, nach Rostock, selbst nach Mölln - es geht immer weiter: die unsägliche Asyldebatte bei Tag, die Brandanschläge Nacht für Nacht. Diese Republik geht vor die Hunde, wenn der Schutz der Menschen, die um Leib und Leben fürchten müssen, nicht endlich unzweideutig gewährleistet wird. Dieser Aufgabe gehört jetzt nachdrückliche, demonstrative Priorität. (Gibt es hierzulande nicht genug Ordnungskräfte, um zumindest für jede bedrohte "Unterkunft" Doppelstreifen rund um die Uhr zu stellen?) Wir sollten dankbar sein, daß Israelis und Niederländer, Amerikaner und Polen den Ernst der Lage erkennen. Wie zum Hohn darauf steht bei deutschen Politikern an erster Stelle die Sorge, welches "Bild" sich "das Ausland" von Deutschland mache. Diese Form von Betroffenheit ist Teil des Problems. Denn es geht um unsere Republik, die durch Fahrlässigkeit oder Vorsatz, Gedankenlosigkeit und menschliche Kälte nicht wiedergutzumachenden Schaden nimmt. Zu dem "Ausländer raus"-Klima hat entscheidend beigetragen, daß Millionen Menschen, die großenteils seit Jahrzehnten mit uns zusammenleben und -arbeiten, die vollen Bürgerrechte verweigert werden. Hören wir endlich auf, sie als "ausländische Mitbürger" auszugrenzen. Sie sind Bürger, nicht "Ausländer".
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.