Dokumente zum Zeitgeschehen

Dokumente zum Zeitgeschehen

»Wie das Fernsehen die Unterschichten vorführt«

Diskussionspapier der Otto-Brenner-Stiftung, 7.4.2020

Angehörige der Unterschichten bekommen im "Unterschichtenfernsehen" ein Zerrbild von sich selbst präsentiert – und die übrige Gesellschaft ignoriert das weitgehend: sowohl die Armut selbst, die mitten im reichen Deutschland existiert, als auch die medialen Klischees, die über die Betroffenen verbreitet werden. Dieses kritische Resümee zieht Autor Bernd Gäbler in "Armutszeugnis", einer neuen OBS-Publikation über Fernsehberichterstattung.

»Griechenland hätte das Asylrecht nicht aussetzen dürfen«

Rechtsgutachten im Auftrag von Erik Marquardt MEP, 5.4.2020 (engl. Originalfassung)

This study assesses the measures taken by the Greek government and the European Union (EU) since the end of February 2020 in response to Turkey’s decision to cease its non-departure measures for refugees and asylum-seekers. It analyses the recent closure of the Greek-Turkish border and the temporary ‘suspension’ of the asylum law in Greece from the perspective of EU law, the European Convention on Human Rights (ECHR), and international refugee law.

»Polen, Ungarn und die Tschechische Republik haben gegen ihre Verpflichtungen aus dem Unionsrecht verstoßen«

Urteil des Europäischen Gerichtshofes, 2.4.2020

Im Urteil Kommission/Polen, Ungarn und Tschechische Republik (Vorübergehender Mechanismus zur Umsiedlung von Personen, die internationalen Schutz beantragen) (C-715/17, C-718/17 und C-719/17) vom heutigen Tag gab der Gerichtshof den von der Kommission gegen diese drei Mitgliedstaaten erhobenen Vertragsverletzungsklagen statt, die darauf gerichtet waren, festzustellen, dass diese Mitgliedstaaten dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus dem Unionsrecht verstoßen haben, dass sie nicht in regelmäßigen Abständen, zumindest aber alle drei Monate, die Zahl der internationalen Schutz beantragenden Pe

»Europäische Solidarität Jetzt!«

Deutsch-italienischer Appell, 1.4.2020

Mit der Corona-Virus-Epidemie stehen wir in Europa vor einer noch nie dagewesenen Herausforderung für uns alle. Sie schränkt unsere Bewegungsfreiheit ein, belastet unsere Gesundheitssysteme enorm und verursacht enorme wirtschaftliche Schäden. Viele Bürger in Europa machen sich Sorgen um ihre Gesundheit, ihre Angehörigen und ihre wirtschaftliche Zukunft. Italien war das erste europäische Land, das hart getroffen wurde, und hat einen sehr hohen Preis in Form von Menschenleben bezahlt.

»Europäische Corona-Bonds jetzt!«

Offener Brief an die Bundesregierung, 1.4.2020

In der ungeheuren Krise, die wir gerade global erleben, geht es um alles, jetzt und zuerst einmal um die Rettung von Menschenleben, um die Vermeidung eines weiteren Einbruches der nationalen wie internationalen Ökonomien, der zu katastrophalen materiellen und sozialen Folgen führen würde. Und ebenso geht es um die Bewahrung unserer humanen, freiheitlichen, demokratischen Gesellschaftsordnungen, die conditio sine qua non, in die auch unsere “freie Wirtschaft” eingebettet ist. Nur als freie Staatsbürger*innen können wir der Krise angemessen begegnen.

»Europa kann nur weiterleben, wenn die Europäer jetzt füreinander einstehen«

Aufruf für einen Corona-Fonds, 1.4.2020

In den vergangenen Tagen sind allein in Italien und Spanien Tausende am Coronavirus gestorben, in Italien waren es 1000 in 24 Stunden, in Spanien 800. Diese Meldungen kommen nicht von einem anderen Planeten oder von einem weit entfernten Kontinent. Sie erreichen uns aus unseren Nachbarländern, denen wir verbunden sind. Wir, die Verfasser, gehören zu den Liebhabern der mediterranen Kultur. Aber man muss kein Liebhaber sein, um über das ungeheure Ausmaß der Zerstörung zu erschrecken, das das Coronavirus in diesen Ländern jetzt schon angerichtet hat.

»Ein Virus respektiert keine Grenzen«

Studie von Refugees International, 30.3.2020 (engl. Originalfassung)

The world is gripped by a truly global public health emergency. From New York to Wuhan, attention and resources are being directed to fight the spread of COVID-19, a disease caused by the novel coronavirus (officially, SARS-CoV-2). On March 11, 2020, the World Health Organization (WHO) officially declared the situation a pandemic.[1] Healthcare systems in even the most advanced countries are being overwhelmed. As the pandemic[2] spreads, the coronavirus will disproportionately impact the world’s most vulnerable, among them refugees, asylum seekers, and internally displaced people (IDPs).

»Die Unterbrechung von Lebensmittelwertschöpfungsketten gefährdet die Ärmsten«

Stellungnahme des Generaldirektors der Welternährungsorganisation FAO, 26.3.2020 (engl. Originalfassung)

The Director-General of the UN Food and Agriculture Organization (FAO), QU Dongyu, today urged leaders from the G20 countries to take measures for global food systems to continue to work well, particularly in relation to access to food for the world's poor and most vulnerable during the COVID-19 pandemic.

»Pandemie bekämpfen, Bürgerrechte und Datenschutz wahren!«

Appell der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz, 26.3.2020

Die Eindämmung der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist eine hinsichtlich ihrer Größenordnung und Globalität bisher unbekannte Herausforderung für demokratische Gesellschaften. Sie müssen der Pandemie und ihren Folgen entschlossen entgegentreten und zugleich ihre grundlegenden Werte bewahren. Besorgniserregend ist aber auch die jetzt deutlich zu Tage tretende Unsicherheit bei der Anwendung der datenschutzrechtlichen Regelungen.

»Abzug der Atomwaffen aus Deutschland endlich umsetzen«

Aufruf von ICAN, 25.3.2020

Vor genau zehn Jahren, am 26. März 2010, sprach sich der Deutsche Bundestag fraktionsübergreifend mit großer Mehrheit für einen Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland aus. Daran erinnern die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt!“, die deutsche Sektion der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW), ICAN Deutschland und Ohne Rüstung Leben. Mit einer Unterschriftensammlung – an der sich bereits rund 5.000 Menschen beteiligt haben – und mehr als 40.000 Aktionspostkarten fordern sie eine Umsetzung des Beschlusses.

»Weltweiter Ansatz ist der einzige Weg, um COVID-19 zu bekämpfen«

Nothilfeplan der Vereinten Nationen, 25.3.2020

Der UN-Nothilfekoordinator warnt davor, dass das Versäumnis, den gefährdeten Ländern im Kampf gegen das Coronavirus zu helfen, Millionen von Menschen in Gefahr bringen und das Virus sich weiter rund um den Globus verbreiten könnte.

Die UN starten einen weltweiten humanitären Hilfsappell in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar zur Bekämpfung von COVID-19 in Südamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

»Für einen sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt«

Aufruf von UN-Generalsekretär Antonio Guterres, 23.3.2020

Unsere Welt steht vor einem gemeinsamen Feind: COVID-19.

Das Virus macht keinen Unterschied zwischen Nationalität oder ethnischer Zugehörigkeit, Gruppierung oder Glauben. Es greift alle an, unerbittlich.

Währenddessen wüten bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt.

Die Schwächsten – Frauen und Kinder, Menschen mit Behinderungen, Marginalisierte und Vertriebene – zahlen den höchsten Preis.

Sie sind auch am stärksten gefährdet, verheerende Verluste durch COVID-19 zu erleiden.

»Drei von zehn Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser«

UN-Weltwasserbericht, 22.3.2020

Der Wasserverbrauch steigt seit den 1980er Jahren weltweit um etwa 1 Prozent pro Jahr, aufgrund von Bevölkerungswachstum, sozioökonomischer Entwicklung und sich änderndem Konsum. Schätzungen zufolge wird die Wassernachfrage weltweit bis 2050 mit ähnlicher Rate weiter ansteigen. Für diesen kumulierten Anstieg von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum heutigen Wasserverbrauch ist vor allem die steigende Nachfrage von Industrie und Haushalten verantwortlich. Über zwei Milliarden Menschen leben in Ländern mit hohem Trockenstress bzw.

»Europa muss jetzt finanziell zusammenstehen«

Aufruf deutscher Ökonomen, 21.3.2020

Die Corona-Pandemie trifft Europa menschlich und ökonomisch schwer. Die Auswirkungen der Krise stellen unsere Gesundheitssysteme auf eine extreme Probe. Die weitreichenden gesundheitspolitischen Maßnahmen sind unumgänglich, aber sie vermindern die Wirtschaftstätigkeit, und sie gefährden die Existenz von Unternehmen und Arbeitsplätzen.

»Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst«

Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel, 18.3.2020

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

das Coronavirus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch. Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialen Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor.

»Cum-Ex-Geschäfte sind strafbar«

Pressemitteilung des Landgerichts Bonn, 18.3.2020

Im ersten Strafverfahren im Cum/Ex-Komplex (Aktenzeichen 62 KLs 1/19) hat die 12. große Strafkammer heute das Urteil verkündet.

Der Angeklagte zu 1) wurde wegen Steuerhinterziehung in 10 Fällen sowie der Beihilfe zur Steuerhinterziehung in einem weiteren Fall zu der Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr 10 Monaten verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Gegen den Angeklagten zu 1) wurde darüber hinaus die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 14.000.000 €, davon in Höhe eines Betrages von 12.689.880 € als Gesamtschuldner, angeordnet.

»Wir werden das Virus besiegen«

Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Corona-Krise, 16.3.2020

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das sind außergewöhnliche Zeiten. Viele von uns sind verunsichert. Wir machen uns Sorgen um unsere Liebsten, um den Job, um die Zukunft.

Deshalb das Wichtigste zuerst: Wir werden das Virus besiegen. Dafür bitte ich uns alle: Seien wir vernünftig! Seien wir solidarisch!

»Frauen verdienen 20 Prozent weniger als Männer«

Mitteilung des Statistischen Bundesamtes, 16.3.2020

Frauen haben im Jahr 2019 in Deutschland 20 % weniger verdient als Männer. Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – der unbereinigte Gender Pay Gap – war damit um 1 Prozentpunkt geringer als in den Vorjahren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Equal Pay Day am 17. März 2020 anhand fortgeschriebener Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung (VSE) mitteilt, verdienten Frauen mit durchschnittlich 17,72 Euro brutto in der Stunde 4,44 Euro weniger als Männer (22,16 Euro). 2018 hatte die Differenz 4,51 Euro betragen.

»Umfassendes Rüstungsexportverbot für die Jemen-Militärkoalition«

Offener Brief an die Mitglieder des Bundessicherheitsrates, 13.3.2020

Der Beginn des Kriegs im Jemen jährt sich bald zum fünften Mal. Im Jahr 2019 gab es mehr als 3.000 direkte Todesopfer, sehr viel mehr Menschen leiden an der durch den Krieg verursachten Not. 24 Millionen, oder rund 80 Prozent der Bevölkerung, davon 12,3 Millionen Kinder, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. 10 Millionen Menschen leiden stark an Hunger, 3,2 Millionen sind akut mangelernährt - darunter zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren und über eine Millionen schwangere und stillende Frauen.

»Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen«

Klimareport der Weltorganisation für Meteorologie, 11.3.2020 (engl. Originalfassung)

The year 2019 ended with a global average temperature of 1.1 °C above estimated pre-industrial averages, second only to the record set in 2016. Without the role of El Niño in the warming increase observed in 2016, 2019 would have been a record year.The year 2019 is likely to have been the second warmest in instrumental records. The past five years are the five warmest on record, and the past decade, 2010–2019, is also the warmest on record.

»Der »Flügel« ist als erwiesen rechtsextremistisch einzustufen«

Erklärung des Bundesamts für Verfassungsschutz, 12.3.2020

Die Erkenntnisse zur Entwicklung des „Flügel“ im Jahr 2019 (insbesondere Organisationsstruktur, Veranstaltungen, Führungspersonen, Einflusspotenzial), also nach Einstufung zum Verdachtsfall, führen zu dem Schluss, dass sich die bisherigen verfassungsfeindlichen Anhaltspunkte zur Gewissheit verdichtet haben.

»Vom Festhalten an der Schwarzen Null ist angesichts von Corona abzuraten«

Positionspapier von führenden Ökonomen, 10.3.2020

Die wesentliche Schwierigkeit im ökonomischen Umgang mit dem Corona-Virus ergibt sich daraus, dass es in den betroffenen Volkswirtschaften sowohl einen Angebotsschock als auch einen Nachfrageschock auslöst. Deutschland ist von diesen Entwicklungen in besonderem Maße betroffen. Denn als offene Volkswirtschaft, die intensiv in die globalen Wertschöpfungsketten eingebunden ist, ist es stärker als andere Länder von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus gefährdet.

»Den Menschen, die an den Grenzen der EU in Not ausharren, muss endlich geholfen werden«

Aufruf von Intellektuellen, 10.3.2020

Als Bürger*innen der Europäischen Union unterstützen wir mit diesem Appell die unterschiedlichen Aufrufe von Verbänden der Zivilgesellschaft, wie sie im Umlauf sind, um ganz klar einzufordern, dass allen Personen, die sich an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei, also an unserer gemeinsamen Außengrenze als EU, in Not befinden, ein vorläufiger Schutz-Status eingeräumt wird. Das gilt ebenso für die Menschen, welche unter ganz unbeschreiblichen Bedingungen in Lagern auf den Ägäis-Inseln festgehalten werden.