Dokumente zum Zeitgeschehen

Dokumente zum Zeitgeschehen

»Chatkontrolle wäre die größte europäische Datenüberwachung aller Zeiten«

Pressemitteilung des Deutschen Journalisten-Verbands (djv), 12.5.2022

Der Deutsche Journalisten-Verband wendet sich gegen Pläne der EU-Kommission, die Betreiber von Chatdiensten wie WhatsApp zur automatisierten Speicherung und Durchleuchtung privater Nachrichten zu verpflichten.

Deutschlands größte Journalistenorganisation sieht darin die größte europäische Datenüberwachung aller Zeiten, die massiv in Grundrechte wie die Presse- und Meinungsfreiheit eingreifen würde. Außerdem sind durch den Einsatz von Recherchesoftware Pannen vorprogrammiert. Entsprechende Pläne der EU-Kommission wurden jetzt in Brüssel bekannt.

»In diesem Jahr sagen wir ›Nie wieder‹ anders.«

Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum 8. Mai, 8.5.2022 (engl. Originalfassung)

Can spring be black and white? Is there eternal February? Are golden words devalued? Unfortunately, Ukraine knows the answers to all these questions. Unfortunately, the answers are “yes”.

Every year on May 8, together with the entire civilized world, we honor everyone who defended the planet from Nazism during World War II. Millions of lost lives, crippled destinies, tortured souls and millions of reasons to say to evil: never again!

»Putin wird den Krieg nicht gewinnen. Die Ukraine wird bestehen.«

Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz zum 8. Mai, 8.5.2022

Heute vor 77 Jahren endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Das Schweigen der Waffen am 8. Mai 1945 glich einer Friedhofsruhe – über den Gräbern von mehr als 60 Millionen Frauen, Männern und Kindern.

Millionen von ihnen sind auf den Schlachtfeldern gefallen. Millionen sind in ihren Städten und Dörfern, in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet worden. Deutsche haben dieses Menschheitsverbrechen verübt.

»Aufbruch braucht eine neue Politik«

Memorandum 2022 der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, 1.5.2022

Die gesellschaftlichen Herausforderungen werden größer. Die Globalisierung ist in der Krise und muss neu ausgerichtet werden.

»Wir werden zu Augenzeugen eines beispiellosen Kampfes«

Vortrag des Osteuropahistorikers Karl Schlögel bei den Frankfurter Römerberggesprächen, 30.4.2022

Ich hatte 2014 nach der russischen Annexion der Krim geschrieben: „Wir wissen nicht, wie der Kampf um die Ukraine ausgehen wird; ob sie sich gegen die russische Aggression behaupten oder ob sie in die Knie gehen wird, ob die Europäer, der Westen, sie verteidigen oder preisgeben wird; ob die Europäische Union zusammenhalten oder auseinanderfallen wird. Nur so viel ist gewiss: Die Ukraine wird nie mehr von der Landkarte in unseren Köpfen verschwinden.“ Das war vor acht Jahren und gilt jetzt, nach dem 24.

»Pressefreiheit ist kein Luxus«

Offener Brief an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock anlässlich der Entführung zweier Journalist*innen im Irak, 25.4.2022

Pressefreiheit ist kein Luxus. Sie ist eine systemrelevante Errungenschaft. Zwei Journalist:innen, deren Arbeit auf dieser systemrelevanten Errungenschaft basiert, wurden am 20. April 2022 von der irakischen Armee ohne Angabe von Gründen an einem Checkpoint im Şengal verhaftet; in demselben Siedlungsgebiet im Irak, das seit dem Genozid an den Ezid:innen durch den sogenannten Islamischen Staat 2014 weltweit bekannt ist.

»Bis heute hat sich die Bundesregierung nicht bei Murat Kurnaz für die Menschenrechtsverletzungen, die er in Guantánamo erlitten hat, entschuldigt«

Grußwort des Generalsekretärs von Amnesty International Deutschland, Markus N. Beeko, 25.4.2022

Wer hinschaut und hinhört, ahnt, dass dieser Film uns erinnert, dass wir uns alle nicht schonen sollten: Dass zu weltweiten Menschenrechtsverletzungen und ihrer fehlenden Ahndung nicht nur Akteure wie Bush, Rumsfeld, nicht nur die CIA oder Guantanamo gehören, sondern auch wir alle und unser Umgang damit.

»Globale Militärausgaben erstmals über zwei Billionen Dollar«

SIPRI Factsheet: Trends in World Military Expenditure, 22.4.2022 (engl. Originalfassung)

Total global military expenditure increased by 0.7 per cent in real terms in 2021, to reach $2113 billion. The five largest spenders in 2021 were the United States, China, India, the United Kingdom and Russia, together accounting for 62 per cent of expenditure, according to new data on global military spending published today by the Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI).

»Die Kriegslogik muss durch eine Friedenslogik ersetzt werden«

Offener Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, 22.4.2022

Der Preis eines längeren militärischen Widerstands wird ‒ unabhängig von einem möglichen Erfolg ‒ noch mehr zerstörte Städte und Dörfer und noch größere Opfer unter der ukrainischen Bevölkerung sein. Waffenlieferungen und militärische Unterstützung durch die NATO verlängern den Krieg und rücken eine diplomatische Lösung in weite Ferne.

»Vergessene Nachrichten: In vier Bundesländern gibt es keine Lernmittelfreiheit mehr«

Auswahl der Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung e. V., 22.4.2022

Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung e. V. präsentiert jährlich zehn Nachrichten oder Themen, die in der medialen Berichterstattung zu kurz gekommen sind. Es handelt sich um Sachverhalte, die für die deutsche Öffentlichkeit relevant sind, über die aber bislang in Presse, Funk, Fernsehen und Internet kaum Debatten geführt werden.

»Wir brauchen ein globales Vermögensregister, um versteckten Reichtum aufzuspüren«

Offener Brief von Ökonomen an die G20-Staaten, 19.4.2022 (engl. Originalfassung)

Since the beginning of the pandemic, the world’s 10 richest men have doubled their fortunes, while a new billionaire has emerged every 26 hours. However, it is often impossible to know where much of this wealth is, as it is often hidden through elaborate structures either to avoid paying taxes or to hide money generated by corruption and illegal activities. The case of the Russian oligarchs speaks for itself. According to some estimates, they hold at least $1 trillion in wealth abroad, often concealed in offshore companies whose true ownership is hard to determine.

»Inflation, Ungleichheit und Covid-19 könnten mehr als eine Viertelmilliarde Menschen in extreme Armut stoßen««

Pressemitteilung von Oxfam, 12.4.2022 (engl. Originalfassung)

Unless G20 leaders, the IMF and the World Bank act immediately, crises of inflation, inequality and COVID-19 could push over a quarter of a billion more people into extreme poverty in 2022.

The crises of extreme inequality, unprecedented food and energy price inflation accelerated by the war in Ukraine and COVID-19 are converging to create a catastrophe for the world’s poorest people.

»Mit 83 tätlichen Angriffen gegen Medienschaffende in Deutschland übersteigt das Jahr 2021 nochmals den Höchststand von 2020«

Studie des European Centre for Press & Media Freedom, 12.4.2022

Neues Jahr, neuer Negativrekord: Mit 83 Angriffen wurden im Jahr 2021 so viele Tätlichkeiten gegen Journalist:innen verifiziert wie nie seit Beginn der Erfassung im Jahr 2015. Die Gewalt traf 124 Medienschaffende, von einem beträchtlichen Dunkelfeld ist auszugehen. Die Entwicklung schien sich im beginnenden Jahr 2022 bis zum Beginn des Ukraine-Krieges noch weiter zu verschärfen. Allein im Januar 2022 wurden 18 Angriffe verifiziert, im Februar sank die Zahl der verzeichneten Fälle zunächst.

»Fast zwei Drittel der ukrainischen Kinder sind auf der Flucht«

Pressemitteilung von UNICEF, 11.4.2022 (engl. Originalfassung)

Earlier this morning I briefed the Security Council on the devastating impact of the war in Ukraine on the country’s children – something which I saw firsthand during my mission there last week.

Over the course of 10 days, I visited Lviv in the west, as well as Vinnystria in central Ukraine, and Dnipro and Zaporizhzhia in the south-east – all to gauge the evolving humanitarian conditions on the ground so that we can adapt UNICEF’s response to meet the growing needs of children and their families.

»Unser Land steht in der Verantwortung, die Erinnerung an die Menschheitsverbrechen an den Sinti und Roma wachzuhalten«

Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor dem Zentralrat der Sinti und Roma, 7.4.2022

Vor vierzig Jahren, im Februar 1982, haben die deutschen Sinti und Roma einen Zentralrat gegründet, um gemeinsam für ihre Bürgerrechte einzutreten und ihren Anliegen mehr Gehör zu verschaffen. Seitdem hat Ihr Verband, haben Sie alle viel erreicht für die nationale Minderheit der Sinti und Roma, und Sie haben einen wichtigen Beitrag geleistet für ein gutes Miteinander der verschiedenen und gleichberechtigten Menschen in unserem Land.

»Bei katarischen Securityfirmen kommt es zu Zwangsarbeit von Migranten «

Bericht von Amnesty International, 7.4.2022 (engl. Originalfassung)

Caleb was just 24 years old when he arrived in Qatar in 2016, one of hundreds of thousands of people who migrated to Qatar after the country was awarded the right to host the 2022 football World Cup. When he saw a job advertisement for security guards in Qatar, he jumped at the opportunity. Caleb raised USD 900 to pay a recruitment agency in Kenya and then set off. “When you decide to leave your country, you are going to try and look for the best for your life”, he told Amnesty International.

»Nur drei Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, die zivilgesellschaftliche Grundfreiheiten garantieren«

Atlas der Zivilgesellschaft 2022, 6.4.2022

Zivilgesellschaftliche Organisationen leiden immer stärker unter Einschränkungen, Verboten und Repressionen: Wieder verloren weltweit viele Partnerorganisationen von Brot für die Welt ihre Registrierung oder konnten sie nicht mehr verlängern. Wieder mussten viele ihrer Mitarbeitenden das Land verlassen, um nicht verhaftet zu werden. Noch nie mussten so viele Organisationen in ihrem Ursprungsland geschlossen werden und ihre Arbeit aus dem Ausland fortsetzen. Dabei sind Menschenrechte und zivilgesellschaftliche Initiativen essenziell für Demokratie, Entwicklung und Frieden.

»Die Ausdehnung des antarktischen Eises ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen geschrumpft«

Studie chinesischer Wissenschaftler, 6.4.2022 (engl. Originalfassung)

Seasonal minimum Antarctic sea ice extent (SIE) in 2022 hit a new record low since recordkeeping began in 1978 of 1.9 million km2 on 25 February, 0.17 million km2 lower than the previous record low set in 2017. Significant negative anomalies in the Bellingshausen/Amundsen Seas, the Weddell Sea, and the western Indian Ocean sector led to the new record minimum. The sea ice budget analysis presented here shows that thermodynamic processes dominate sea ice loss in summer through enhanced poleward heat transport and albedo–temperature feedback.