Dokumente zum Zeitgeschehen

Dokumente zum Zeitgeschehen

»Seit 20 Jahren verletzen die USA in Guantánamo systematisch Menschenrechte«

Pressemitteilung von Amnesty International, 10.1.2022

Seit 20 Jahren verletzen die USA in Guantánamo systematisch Menschenrechte. In dem Gefangenenlager werden noch immer 39 Menschen festgehalten. Zum Jahrestag der Eröffnung Guantánamos fordert Amnesty International US-Präsident Joe Biden auf, deutlich mehr Anstrengungen zu unternehmen, um das Gefangenenlager endlich zu schließen.

»Wenn klimaschädliche und hochriskante Energieträger als ökologisch gelten, wird das ganze Nachhaltigkeitslabel entwertet«

Appell zivilgesellschaftlicher Organisationen an die Bundesregierung, 7.1.2022

Die EU-Kommission plant, Investitionen in Atomkraft und Erdgas im Rahmen der EU-Taxonomie als nachhaltig einzustufen – das unterläuft den European Green Deal und gefährdet den Klimaschutz in Europa. Denn so könnten Milliarden an Investitionen in veraltete, hochriskante und klimaschädliche Technologien fließen. Die Nutzung der Atomkraft ist hochgefährlich, sehr teuer, nicht versicherbar und allein schon aufgrund der ungelösten Endlagerfrage nicht nachhaltig. Erdgas ist durch die CO2- und Methanemissionen extrem klimaschädlich und damit eine klimapolitische Sackgasse.

»Nicht einmal im Bürgerkrieg passierte so etwas wie am 6. Januar 2021«

Rede von US-Präsident Joe Biden zum ersten Jahrestags des »Sturms auf das Kapitol«, 6.1.2022 (engl. Originalfassung)

Rioters rampaging, waving for the first time inside this Capitol a Confederate flag that symbolized the cause to destroy America, to rip us apart.

Even during the Civil War, that never, ever happened. But it happened here in 2021.

What else do you see? A mob breaking windows, kicking in doors, breaching the Capitol. American flags on poles being used as weapons, as spears. Fire extinguishers being thrown at the heads of police officers. 

»Der Anteil der Geringverdiener in Ostdeutschland ist etwa 13 Prozent höher als im Westen«

Policy Brief der Hans-Böckler-Stiftung, 6.1.2022

In den letzten Jahren ist es gelungen, den unteren Entgeltbereich zurückzudrängen. Die Daten zeigen aber, dass es mit dem Gastgewerbe, der Landwirtschaft und der Arbeitnehmerüberlassung weiterhin Branchen gibt, in denen die Mehrheit der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten weniger als 2.284 Euro im Monat verdient.

»In Deutschland war es 2021 wärmer, feuchter und sonnenscheinreicher als im vieljährigen Mittel«

Bericht des Deutschen Wetterdienstes, 6.1.2022

Bemerkenswert war 2021 aus klimatologischer Sicht, im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren, allerdings nicht aufgrund sehr hoher Temperaturen und Trockenheit, sondern aufgrund intensiver Starkniederschlagsereignisse, unter anderem im Juli mit ausgeprägten Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Weitere außergewöhnliche Witterungsereignisse waren eine intensive Kältewelle im Februar, auf die eine sehr milde Phase mit regional fast sommerlichen Temperaturen folgte, ein relativ kühles Frühjahr sowie ein ausgesprochen mildes Jahresende.

»Die Pandemie hat in den meisten Ländern zu einem Anstieg der Ungleichheit beigetragen«

Bericht von Redesigning Financial Services, 5.1.2022 (engl. Originalfassung)

The 2020 pandemic year saw European wealth reach an all-time high of EUR 69 trillion, representing a 3.9% increase on the previous year. Core countries make up over 70% of Europe’s total net wealth, including Germany (EUR 16.4 trillion), France (EUR 12.6 trillion), the UK (EUR 10 trillion, and Italy (EUR 10 trillion).

Overall, Europe has witnessed a 45% increase in average wealth over the last decade, with Switzerland leading the way, adding nearly EUR 2 trillion in wealth over the previous ten years, representing a doubling in the net wealth of the period.

»Mit dem Verbot von Memorial gibt der russische Staat ein erschütterndes Selbstzeugnis ab«

Erklärung zivilgesellschaftlicher Organisationen, 28.12.2021

Das Oberste Gericht der Russischen Föderation hat am 28.12.21 die Zwangsauflösung von Memorial International wegen angeblicher Verstöße gegen das „Agentengesetz“ angeordnet. Dies ist ein schwerer Schlag für die russische Gesellschaft, die Gesellschaften seiner Nachbarstaaten und für ganz Europa. Memorial steht wie keine andere Organisation für ein offenes, menschenfreundliches, demokratisches Russland, das die Versöhnung innerhalb der eigenen Gesellschaft und mit seinen Nachbarn sucht.

»Noch nie wurde eine höhere Armutsquote in Deutschland gemessen als 2020«

Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 16.12.2021

Mit der aktuellen Auswertung des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes erhalten wir erstmals Armutsdaten für das Pandemiejahr 2020. Verschiedene Studien setzten sich bereits mit der Frage von Einkommenseinbußen, insbesondere von Arbeitnehmer*innen und Selbständigen, in der Pandemie auseinander. Die Mikrozensusdaten geben nun Hinweise darauf, wie weit diese Einkommenseinbußen Menschen tatsächlich unter die Armutsschwelle drückten.

»Wir müssen schnelle und unbürokratische Lösungen finden, damit nicht weiter Menschen an den Außengrenzen der EU ihr Leben verlieren«

Rede von Romani Rose zum Tag der Menschenrechte, 10.12.2021

Fast auf den Tag genau 100 Jahre nachdem die Frankfurter Nationalversammlung ihr für die Demokratiegeschichte wegweisendes Gesetz verabschiedet hatte, trat am 10. Dezember 1948 die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ in Kraft, die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ausgerufen wurde und woran wir heute erinnern wollen.

»Frauen, die geschlechtsspezifische Gewalt überlebt haben, wurden in Afghanistan im Stich gelassen«

Bericht von Amnesty International, 6.12.2021 (engl. Originalfassung)

Essential services for women and girl survivors of gender-based violence in Afghanistan have been decimated following the Taliban’s takeover of the country, Amnesty International said today.

In 26 new interviews, survivors and service providers told Amnesty International that the Taliban closed shelters and released detainees from prison, including many convicted of gender-based violence offences.

Many survivors – as well as shelter staff, lawyers, judges, government officials, and others involved in protective services – are now at risk of violence and death.

»Die globale Waffenproduktion hat sich als resistent gegenüber der Covid-19-Pandemie erwiesen«

Bericht von SIPRI, 6.12.2021 (engl. Originalfassung)

Global arms production was largely resilient against the shock of the Covid-19 pandemic and the resulting economic downturn. While the global economy contracted by 3.1 per cent in 2020, the aggregated arms sales of the Top 100 increased. This can be attributed to at least three key factors. First, the arms industry, like many other economic sectors, benefited from expansionary fiscal policies during the first year of the pandemic. Military manufacturers were largely shielded by sustained government demand for military goods and services.

»Die Auseinandersetzung der BILD mit wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht den Grundregeln einer offenen Gesellschaft«

Aufruf der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, 6.12.2021

Die BILD-Zeitung setzt mit dem Beitrag „Die Lockdown-Macher“ vom 4. Dezember 2021 ihre im vergangenen Jahr begonnene einseitige Berichterstattung gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fort, die ihre fachliche Expertise in den Dienst von Politik und Gesellschaft stellen, um der Coronavirus-Pandemie und ihren gerade in diesen Tagen dramatisch sichtbaren Folgen zu begegnen.

»Die Krise trifft Menschen mit ohnehin schon eingeschränkter Teilhabemöglichkeit mit besonderer Härte«

Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes, 3.12.2021

Es lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Behinderung und der Armutsbetroffenheit erkennen. Seit Mitte der 2000er Jahre leben Menschen mit Behinderung deutlich häufiger in einem Haushalt mit einem Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. Die Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sind im zeitlichen Verlauf in der Tendenz gewachsen.

»Das Wirtschaftsprogramm der AfD ist eine weitgehend neoliberale Reformagenda«

Analyse der Otto-Brenner-Stiftung, 2.12.2021

Wie viele andere populistisch-rechtsradikale Parteien in Europa und darüber hinaus profitiert die AfD von einem allgemeinen Aufschwung populistischer Parteien. Diese haben es im Nachgang der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/08 und vor allem im Zuge der Migrationsbewegungen 2015 geschafft, ein  – oberflächlich stimmiges – Bild der kollektiven sozialen Abstiegsangst der westlichen unteren Mittelschicht zu zeichnen.

»Es ist diese Fröhlichkeit im Herzen, die ich uns allen und im übertragenen Sinne unserem Land auch für die Zukunft wünsche«

Rede Angela Merkels zum Großen Zapfenstreich, 2.12.2021

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Frau Bundestagspräsidentin, Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

wenn ich heute hier vor Ihnen stehe, dann empfinde ich vor allem dieses: Dankbarkeit und Demut - Demut vor dem Amt, das ich so lange ausüben durfte; Dankbarkeit für das Vertrauen, das ich erfahren durfte. Vertrauen, dessen war ich mir immer bewusst, ist das wichtigste Kapital in der Politik. Es ist alles andere als selbstverständlich, und dafür danke ich von ganzem Herzen.

(...)

»Die Chancen, aus der unteren Einkommensschicht in die Mittelschicht aufzusteigen, haben sich deutlich verringert«

Studie der Bertelsmann Stiftung und der OECD, 1.12.2021

Die Mittelschicht ist ein wesentlicher Eckpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Eine breite Wohlstandsbasis hierzulande sorgt für eine starke Binnennachfrage, ist attraktiv für inländische wie ausländische Investitionen und lässt Innovationspotenziale zur Entfaltung kommen. Eine leistungsfähige Mittelschicht erbringt den Großteil des Steueraufkommens und trägt somit wesentlich zur Handlungsfähigkeit des Staates bei.

(…)

»Die Pflege ist und bleibt eine Großbaustelle«

Bericht der Barmer Krankenkasse, 1.12.2021

Aktuell werden mehr als 4,5 Millionen Menschen ambulant oder stationär gepflegt, Tendenz deutlich steigend. Denn im Jahr 2030 werden rund sechs Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 30 Prozent. Und somit noch einmal deutlich mehr, als bisherige Schätzungen angenommen haben. Der aktuelle Pflegereport der BARMER belegt, dass für die Versorgung dieser Menschen mehr als 180.000 Pflegekräfte zusätzlich benötigt werden. Da bereits heute Pflegekräfte fehlen, drängt die Zeit.

»Die Mehrheit junger Amerikaner sieht die Demokratie in Gefahr«

Studie des Harvard University Institute of Politics, 1.12.2021 (engl. Originalfassung)

A national poll of America’s 18- to 29-year-olds released today by the Institute of Politics at Harvard Kennedy School indicates that a majority of young Americans believe that our democracy is “in trouble” or “failing.” (...) Only 7% of young Americans view the United States as a “healthy democracy”; 27% described the nation as a “somewhat functioning democracy,” 39% a “democracy in trouble,” and 13% went so far as to declare the nation a “failed democracy.”

(...)

»Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung sind gravierend«

Studie von Aktion Mensch, 30.11.2021

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung sind gravierend. Das Inklusionslagebarometer liegt aktuell mit 106,4 Punkten deutlich unter seinem Vorjahreswert von 107,7. Während 2020 noch drei der betrachteten sechs Regionen ihr Ergebnis verbessern konnten, verschlechterte sich – Pandemie-bedingt – die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung durchweg in erheblichem Maße. Die Spitze verteidigt ein weiteres Mal Ostdeutschland mit einem Wert von 113,3 (Vorjahr: 113,9).

»Die Wind- und Solarausbauziele der neuen Bundesregierung sind nicht mit dem 1,5-Grad-Pfad kompatibel«

Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, 30.11.2021

Aus den Zielsetzungen des Pariser Klimaschutzabkommens ergibt sich ein nationales Restbudget an Kohlendioxidemissionen. Daraus kann abgeleitet werden, bis zu welchem Zeitpunkt Deutschland klimaneutral werden muss. Für den 1,5-Grad-Pfad ergibt sich das Zieljahr 2030. Zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,7 °C muss Deutschland bis spätestens 2035 die Klimaneutralität erreichen. Im Jahr 2020 deckten erneuerbare Energien gerade einmal 19,3 % des deutschen Endenergiebedarfs. Dieser Anteil muss zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens spätestens in 15 Jahren auf 100 % gesteigert werden.

»Die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen waren mit dem Grundgesetz vereinbar«

Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, 30.11.2021

Mit heute veröffentlichtem Beschluss hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in mehreren Hauptsacheverfahren Verfassungsbeschwerden zurückgewiesen, die sich unter anderem gegen die durch das Vierte Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom 22. April 2021 in § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 IfSG für einen Zeitraum von gut zwei Monaten eingefügten bußgeldbewehrten Ausgangsbeschränkungen sowie bußgeldbewehrten Kontaktbeschränkungen nach § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 IfSG zur Eindämmung der Corona-Pande

»Anhänger von Corona-Verschwörungsmythen unterscheiden sich von der restlichen Bevölkerung durch ihre weniger solidarischen Einstellungen«

Studie von d|part, 30.11.2021

Der Anteil von Anhänger:innen von Corona-Verschwörungsmythen in Deutschland hat im Verlauf der Pandemie abgenommen. In der ersten Erhebung im April und Mai 2020 glaubten noch rund 14 Prozent an derartige Mythen. Dieser Wert ist im Februar und März 2021 auf rund 9 Prozent gesunken. Dabei bilden 6 Prozent den sogenannten „harten Kern“, sprich jene, die bei beiden Befragungen an Corona-Verschwörungsmythen glaubten. Seit 2020 haben sich 7 Prozent der Deutschen von derartigen Mythen abgewandt, indessen sich 3 Prozent diesen Mythen neu zugewandt haben.

»Der bevorstehende Corona-Winter wird erneut zu einer massiven gesellschaftlichen Herausforderung«

Stellungnahme der Arbeitsgruppe der Nationalakademie Leopoldina, 27.11.2021

In diesen Tagen steht Deutschland vor einer erneuten, verschärften Eskalation der Covid-19-Krise. Es ist zu befürchten, dass Teile der Politik und Öffentlichkeit die Dramatik der Situation nicht in ihrem vollen Ausmaß erfassen. Dazu tragen die Vielstimmigkeit der öffentlich vorgebrachten Einschätzungen von Fakten und Prognosen, ein gewisser Gewöhnungseffekt und wohl auch das für viele „bloß“ statistische „Angesicht“ der Todesopfer und der Langzeitgeschädigten von Covid-19 bei.