Der große Unzeitgemäße
Wenn heute von der Gründergeneration der Kritischen Theorie die Rede ist, taucht der Name Theodor W. Adornos stets an erster Stelle auf, deutlich vor dem seines Mitstreiters Max Horkheimer.
Wenn heute von der Gründergeneration der Kritischen Theorie die Rede ist, taucht der Name Theodor W. Adornos stets an erster Stelle auf, deutlich vor dem seines Mitstreiters Max Horkheimer.
Wer wie ich das Glück hatte, irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem kapitalistischen Land geboren worden zu sein, ist in einer Welt aufgewachsen, die von der Vorstellung beseelt ist, dass alles immer verfügbar ist und zu sein hat.
Warum führt die berechtigte Empörung über die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß zu einer nationalen Debatte, deren Wellen bis in die Fernsehtalkshows reichen und Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände wie auch die Politik beunruhigen?
Ob der Streit um die Beschneidung oder die Debatte um die Ausrichtung der katholischen Kirche nach Benedikt und vor Franziskus: Überall wird um die Zukunft der religiösen Traditionen gerungen.
Mehr noch als seine Vorgänger hat das jüngste Buch von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher heftige Reaktionen ausgelöst. Doch ob Anhänger oder Gegner: Einig sind sich alle, dass es sich bei „EGO. Das Spiel des Lebens“ um eine gleichermaßen avancierte wie radikale Kapitalismuskritik handelt. Dem widerspricht entschieden der folgende Beitrag. – D.
Wohl kein anderer Komponist des 19. Jahrhunderts hat bis heute eine so stark polarisierende Wirkung, wie Richard Wagner. Viele verbinden mit Wagner allein die Untiefen der deutschen Ideologie: Nationalismus, Antisemitismus und die Sehnsucht nach einem Führer.
Viele große Denker sagen uns schon seit Langem, Wirtschaftswachstum könne uns nicht glücklich machen.
Glaubt man den Verfechtern der Energiewende, einem der größten Infrastrukturprojekte der Gegenwart, schlägt nun die Stunde der Ingenieure, die dieses Herkulesprojekt im Wesentlichen verwirklichen sollen.
Die Geschichte Frankreichs ist durchzogen von Episoden, in denen der Ungehorsam gegenüber den etablierten Mächten und besonders gegenüber dem Staat den Wechsel des politischen Systems ermöglicht oder extrem beschleunigt hat, auch wenn das nachträglich in einem legalen Verfahren sanktioniert wurde.
Wir waren Papst. Wir werden Päpstin. So kurz lässt sich die frohe Botschaft zusammenfassen, die nach dem Rücktritt Papst Benedikts die Welt retten wird. Denn dass die Welt gerettet werden muss, daran kann kein Zweifel bestehen. Schon die bedrohliche Vision, dass der nächste Papst kein Deutscher sein könnte, jagt der Menschheit tiefe Schrecken ein.
Mehr als jeder andere Vorfall der letzten Jahre hat der Artikel der „Stern“-Journalistin Laura Himmelreich über ihre nächtliche Begegnung mit Rainer Brüderle eine hitzige Debatte über Formen von und Umgang mit Sexismus und sexueller Belästigung in unserer Gesellschaft ausgelöst.[1]
Die sozialen, wirtschaftlichen und demographischen Erschütterungen der sogenannten Rekonstruktionsäranach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg und das darauf folgende Industrialisierungszeitalter vermehrten die Zahl der Motive sozialer Gewaltsamkeit. Die Industrialisierung bedrohte Status und Wohlfahrt von Arbeitern und Bauern.
Es zählt zu den Grundannahmen der amerikanischen Politik, dass ein demokratischer Staat eine Regierung des Rechts und nicht menschlicher Willkür ist. Von unserem Glauben an dieses Prinzip lebt das bemerkenswert dauerhafte Vertrauen in eine Verfassung, die mittlerweile zu den ältesten, heute noch gültigen ihrer Art auf der Welt gehört.
Als am 30. Januar 1933 nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland die Fackeln brannten, zur Feier der nationalsozialistischen Machtübernahme, da wusste einer ganz genau, was die Stunde geschlagen hatte, nämlich der Wiener Kritiker Karl Kraus.
»Der Fortschritt ist kein kontinuierliches Fortschreiten.
Dazwischen liegen die Katastrophen.«
Werner Mittenzwei [1]
Die gesellschaftliche und parlamentarische Debatte über die straffreie Zulassung religiös motivierter Beschneidungen männlicher Babys oder von Knaben hat der deutschen Gesellschaft eine neue Runde im ewigen Diskurs über die Rolle und Bedeutung von Religion im öffentlichen Raum beschert.
Erst die „Frankfurter Rundschau“, dann die „Financial Times Deutschland“ – der Sensenmann geht um in der journalistischen Holzklasse. „Endzeit ist in der Printbranche längst kein Wetterphänomen am Horizont mehr. Endzeit ist jetzt“, stellt der Feuilletonist der „Süddeutschen Zeitung“, Hans Hoff, treffend fest.
Vielen Philosophen galt die Liebe als eine Form von Wahnsinn.[1] Doch handelt es sich dabei um eine höchst eigentümliche Form von Wahnsinn, die ihre Macht daraus bezieht, das Ich zu erhöhen und mit einem gesteigerten Gefühl seiner eigenen Macht auszustatten.
Es ist schon ein rechtes Leid mit unseren Potential-Helden. Seit Jahr und Tag wartet ganz Fußball-Deutschland auf den nächsten Titel.
Die Demonstrationen zum Gedenken an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren waren kaum beendet, die staatstragenden Reden alle gehalten, als das Berlin von heute mit dem realexistierenden Rassismus konfrontiert wurde.
Jeder Deutsche verzehrt durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr – vier Mal so viel wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.
Es ist mir eine große Ehre, heute hier den Adorno-Preis entgegennehmen zu dürfen. Ich möchte heute Abend über eine Frage Adornos sprechen, die uns auch weiterhin angeht. Ich werde auf diese sich stets neu stellende Frage wiederholt zurückkommen. Es gibt auf sie keine einfache Antwort und ihrem Anspruch an uns ist nicht leicht zu entgehen.
Ein kleiner Zipfel Haut hat vor drei Monaten in der Republik ein regelrechtes diskursives Erdbeben ausgelöst. Keine Entscheidung in bioethischen Fragen hat so viel Unruhe provoziert wie das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung.
Wie schnell auch hierzulande der Volkszorn hochkochen kann, demonstrierte jüngst eine kurze Meldung in der „Bild“-Zeitung: Demnach plant die ARD die Erkennungsmelodie, die seit 1956 die „Tagesschau“ einleitet, zu „entsorgen“ und durch eine neue zu ersetzen.
Dass das „Beschneidungsurteil“ des Landgerichts Köln vom 7. Mai 2012 – öffentlich bekanntgegeben am 26. Juni[1] – eine heftige Kontroverse auslösen würde, war zu erwarten.