Das Recht von Mensch und Natur: Der Kampf gegen die Klima-Apartheid
Das kommende Jahrzehnt wird entscheidend dafür sein, ob wir den Klimakollaps noch abwenden können. Was wäre aus menschenrechtlicher Perspektive dafür zu tun?
Das kommende Jahrzehnt wird entscheidend dafür sein, ob wir den Klimakollaps noch abwenden können. Was wäre aus menschenrechtlicher Perspektive dafür zu tun?
Die Menschheit stellt sich »immer nur Aufgaben, die sie lösen kann«, schrieb einst Karl Marx. Unter dem Eindruck der zupackenden Vision eines Kim Stanley Robinson möchte man dem auch mit Blick auf den Klimawandel zustimmen.
Nicht nur der mehr als holprige Start der neuen Regierung in Deutschland, auch die Debatten in anderen europäischen Ländern zeigen: Das Staatshandeln in Europa befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation.
Für die Klimabewegung lautet die zentrale Frage: Wie kann sie sich neu ausrichten, wenn das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels immer unwahrscheinlicher wird und die Konsequenzen der Klimakrise dafür umso dramatischer?
Es ist eine fast absurde Situation: Die Ampelkoalition durchlebt bereits ihre erste Krise, noch bevor sie überhaupt zustande gekommen ist.
„Der Glasgow-Zug muss losrollen“, forderte der Chef-Verhandler des Inselstaates Tuvalu wenige Stunden vor dem Ende der 26. UN-Klimakonferenz (COP). Er bat alle Länder, dem Klimapakt von Glasgow zuzustimmen.
Der ungewöhnlich starke Preisanstieg bei Öl, Gas und Kohle in den vergangenen Wochen hat die Debatte um die Energiewende neu entfacht. Rasch kursierte das Wort „Energiepreiskrise“, tauchten verdrehte Logiken und Schuldzuschreibungen auf.
Den 15. Oktober 2021, das Datum der Verabschiedung des Sondierungspapiers zwischen SPD, Grünen und FDP, kann man sich bereits jetzt im Kalender markieren. Denn seit diesem Tag steht fest: Die Ampel kommt.
Wenn vom 31. Oktober bis zum 12. November die Klimakonferenz COP 26 in Glasgow stattfindet, dann ist dies so etwas wie eine letzte Bestandsaufnahme vor dem drohenden Klimakollaps. Derzeit befindet sich die Welt auf einem „katastrophalen Weg“, so UN-Generalsekretär Antonio Guterres.
Bis zum Ende des Jahrhunderts drohen viele Lebensformen auf der Erde auszusterben. Doch obwohl der Verlust der Biodiversität auch die Menschheit selbst gefährdet, schützen wir die Natur bislang nur unzureichend.
Auf der COP26 wird es auch entscheidend auf USA und EU ankommen. Beide versprechen mehr als noch bei der Weltklimakonferenz von Paris 2015 – sind sich aber uneins, wie sie diese Ziele erreichen können.
Es ist eine Zäsur für Skandinavien: Erstmals seit 2001 könnten alle vier skandinavischen Länder wieder gleichzeitig von roten Ministerpräsident*innen regiert werden.
In der Debatte darüber, wie Deutschland Klimaneutralität erreichen kann, dominieren Themen wie der Kohleausstieg, erneuerbare Energien oder die Verkehrswende. Einem Bereich aber wird zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl er nahezu jeden betrifft.
Die kommende Bundesregierung muss nicht nur die soziale, sondern vor allem auch die ökologische Frage in Angriff nehmen – ohne dabei verschiedene soziale Milieus gegeneinander auszuspielen.
Viel war in Washington in den vergangenen Monaten von Chinas stetig wachsenden Kapazitäten bei Luftwaffe, Flotte und Raketen die Rede. Doch wenn Pentagon-Verantwortliche über das Thema sprechen, geht es weniger um die heutigen Fähigkeiten dieses Landes, die jenen der USA bei weitem unterlegen sind, sondern um die Welt der 2030er und 2040er Jahre, wenn Beijing diesen Prognosen zufolge deutlich mehr hochentwickelte Waffen erworben haben wird.
Der Druck könnte höher kaum sein: Im Herbst will die Weltgemeinschaft gleich zwei Mal zusammenkommen, um eine existenzielle Bedrohung für große Teile der Menschheit sowie für hunderttausende weitere Arten abzuwenden.
Lange wähnte sich der globale Norden sicher vor den Folgen des Klimawandels. Doch spätestens seit den verheerenden Bränden und Fluten dieses Sommers entpuppt sich dieser Glaube als Illusion.
Spätestens seit dem jüngsten Bericht des Weltklimarates (IPCC) wissen wir eines ganz genau: Bei den verheerenden Regenfluten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die über 170 Tote und hohe Milliardenschäden zur Folge hatten, handelt es sich nicht um ein Einzelereignis.
In Debatten über gezielte technische Eingriffe in das Klimasystem gegen die Erderwärmung – das sogenannte Geoengineering – wird heute vor allem eine Methode vorgeschlagen: die direkte Abscheidung von CO2 aus der Luft. Diese Methode ahmt nach, was Bäume auf natürliche Weise tun.
Am liebsten wäre es den meisten Konservativen, wenn die alte Welt durch technische Innovationen einfach so bleiben könnte, wie sie ist – mit Autobahnen ohne Tempolimits, Betonwüsten in Innenstädten und Billigfleischfabriken. Ein naiver Traum.
Allzu lange hat auch die Ökonomie die ökologischen Probleme unserer Zeit und damit die planetaren Grenzen weitgehend ignoriert. Nun aber ändert sich dies rasant.
Es mehren sich die Stimmen derer, die eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke fordern. Dabei ist es allerhöchste Zeit, den Zombie Atomkraft endlich ruhen zu lassen.
Sand scheint in unbegrenzter Menge zur Verfügung zu stehen. Doch der Eindruck täuscht – er wird in vielerorts knapp und die Suche nach neuen Sandquellen hinterlässt eine Spur der Verwüstung.
Trotz der sich verschärfenden Klimakrise ergreifen wir noch immer nicht die erforderlichen Maßnahmen, um diese abzuwenden. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die Anstifter zu klimapolitischer Untätigkeit.
Die Grünen stecken in einem Dilemma: Eine Mehrheit der Bevölkerung lebt noch immer weit stärker in den Konsumansprüchen der Gegenwart als im Bewusstsein der ökologischen Probleme. Und darin steckt eine gewaltige Verdrängung der fatalen ökologischen Lage.