Von der BRD lernen, heißt siegen lernen
Diesseits aller deutsch-deutschen Hoffnungen, Ängste und Mystizismen stehen im Zentrum der neuen "deutschen Frage" 1990 unverkennbar - reale, aber auch herbeigeredete - wirtschaftliche Zwänge und Kalküle.
Diesseits aller deutsch-deutschen Hoffnungen, Ängste und Mystizismen stehen im Zentrum der neuen "deutschen Frage" 1990 unverkennbar - reale, aber auch herbeigeredete - wirtschaftliche Zwänge und Kalküle.
Am 16. Dezember 1989 sprach Günter Gaus, erster Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR (19741981), in der französischen Friedrichstadtkirche in Ostberlin zum Thema "Die Zukunft der Deutschen in Europa".
Kommt jetzt die deutsche Einheit? Viele prophezeien es, andere geraten in Panik, und die meisten wirken ziemlich desorientiert angesichts der Beschleunigung der historischen Zeit, die wir seit dem Durchbruch der Gorbatschow-Revolution erleben.
"Schließlich ist Bonn der Ort, an dem die Geschichte der Bundesrepublik stattgefunden haben wird." Der Bonner Oberbürgermeister Hans Daniels Was der hauptstädtische Würdenträger so unschön formuliert, ist der viele inzwischen unaufhaltsam dünkende Zug der Zeit. Die Nachrufe auf die Bundesrepublik dürfen formuliert werden.
"Es mögen viele für, viele gegen das sein, was wir jetzt gehört haben" - stellte Tagungsleiter Wolfgang Berghofer auf dem a.o.
Auf einer Tagung des Parteivorstandes der SED-PDS legte Gregor Gysi am 6.1.1990 den nachstehenden, international beachteten Vorschlag vor, die beiden deutschen Staaten sollten in der vorgesehenen "Vertragsgemeinschaft" kooperative Sicherheitsstrukturen vereinbaren. D. Red.
Die sich überstürzenden Ereignisse in den sozialistischen Staaten des Ostblocks, insbesondere in der DDR, lassen viele fragen: Hat nicht das "Volk" den Sozialismus auf den "Müllhaufen der Geschichte" geworfen und muß man sich nicht spätestens jetzt einreihen in die große Front derer, die das schon immer kommen sahen?
Nicht nur Euer Land, die Deutsche Demokratische Republik, steckt in einer tiefen Krise. Entgegen allem Schein des Wohlstandes weiß auch der "Westen" nicht die Zukunftsprobleme zu lösen. Immer mehr, immer schneller, immer naturzerstörerischer - das sind keine Antworten, die zu Hoffnung auf Überleben berechtigen.
(...) Der Weg zur deutschen Einheit, das wissen wir alle, ist nicht vom grünen Tisch oder mit einem Terminkalender in der Hand zu planen. Abstrakte Modelle kann man vielleicht polemisch verwenden, aber sie helfen nicht weiter. Aber wir können, wenn wir nur wollen, schon heute jene Etappen vorbereiten, die zu diesem Ziel hinführen.
Selten war soviel von Geschichte die Rede wie in diesen Wochen seit dem 9. November.