Thema Geschichte

Sisyphos der Demokratie

„Wir haben es hier mit einem Gegner zu tun, der schlimmer ist als die Kommunisten. [...] Die wollen uns drankriegen. [...] Was ich, ehrlich gesagt, nie bedacht habe, war, wie weit diese Bastarde gehen würden. [...] Es ist mir wurscht, wie es gemacht wird. Tut nur, was getan werden muss, um diese undichten Stellen zu stopfen. Ich will nicht hören, warum es nicht möglich ist.

Politik mit Akten

Die Debatte über das Erbe der Staatssicherheitsdienste aus der Zeit des Kommunismus reißt hierzulande nicht ab, wie die jüngsten Kontroversen über die „Birthler-Behörde“ zeigen. Doch auch die ostmitteleuropäischen Länder sehen sich mit anhaltenden gesellschaftlichen Auseinandersetzungen über den „richtigen“ Umgang mit dieser Geschichte konfrontiert.

Die Ikonisierung Stauffenbergs

In Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ berichtet der Erzähler, Serenus Zeitblom, über einen Zirkel völkischer Dunkelmänner, Professoren und Künstler, die sich im München der 20er Jahre treffen, um beifällig den Fortschrittsideen des späten 19. Jahrhunderts den Abschied zu geben.

40 Jahre 2. Juni

Offensichtlich wird die Republik in diesem Jahr von ihren Untoten heimgesucht. Das belegt nicht nur der Fall Filbinger/Oettinger. Nein, auch die RAF schien eigentlich schon lange mausetot. Bald zehn Jahre nach der schriftlichen Verkündung ihrer Selbstauflösung am 20.

Die politischen Mythen der Deutschen

Wer Mythen erzählt, will betrügen. So jedenfalls lautet die landläufige Meinung, wonach im Falle des Mythos das Berichtete nicht der Wahrheit entspricht – zumeist jedenfalls. Seit den alten Griechen stehen Wahrheit und Mythos in einem Spannungsverhältnis zueinander. Im 5. und 4.

„Genau an die Vorgaben gehalten“

Die Eröffnung des „Kunstfests Weimar“ am 25. August d.J. endete mit einem Eklat. Mit „Aufhören“-Rufen zwangen Besucher des Konzerts „Gedächtnis Buchenwald“ Hermann Schäfer, den Leiter der Abteilung Kultur und Medien beim Kulturstaatsminister, zum Abbruch seines Grußwortes.

Die Geschichte kommt hoch

Fast zwei Monate sind ins Land gegangen, seit Günter Grass mit der Mitteilung, in der Waffen-SS gewesen zu sein, seine Anhänger schockierte und seine Gegner nachhaltig euphorisierte.1 Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Artikel in der Sache Grass erscheinen. Doch was ist der politische Ertrag der Debatte? Und worin liegt ihr politischer Kern?

Warum gehört Großbritannien zu Europa?

Warum gehört Großbritannien zu Europa? Ich denke, dass mancher vielleicht ein Wort weggelassen und einfach gefragt hätte: Gehört Großbritannien zu Europa? Aber der Titel ist bewusst gewählt. Ich möchte zunächst eine einfache und kurze, aber doch wichtige epistemologische Vorbemerkung machen.

Opfer Österreich

Gerade erst ist das österreichische Jubiläums-Jubel-Gedenkjahr 2005 – 60 Jahre Zweite Republik, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Mitgliedschaft – zu Ende gegangen, da kündigt sich bereits ein anderes Jubiläum ganz eigener Art an, welches das offizielle Österreich voraussichtlich weniger frenetisch- patriotisch begehen wird.

Freiheit für die Geschichte?

In Frankreich hat eine Reihe der namhaftesten Historiker des Landes mit einem Appell gegen „sich häufende“ Einmischungen der Politik in Fragen der Geschichtsdarstellung und -bewertung für Aufsehen gesorgt.

Illegal, doch legitim

An historischen wie zeitgenössischen Standards gemessen haben wir das Glück, ein hohes Maß an Freiheit genießen zu können. Freiheit eröffnet Chancen, und Chancen bringen Verantwortung mit sich – die Verantwortung, von seiner Freiheit weise, aufrichtig und human Gebrauch zu machen. Und wir leben in Zentren enormer Macht.

Imperium als Mission

Der US-amerikanische Publizist Charles Krauthammer schrieb vor einiger Zeit, seit dem Römischen Reich habe es kein Land gegeben, das global "so übermächtig war, kulturell, wirtschaftlich, technisch und militärisch" wie gegenwärtig die Vereinigten Staaten.1 Was aber wird aus Weltmächten, die alle anderen Staaten, Bünde und Mächte unerreichbar &uu

Das Denkmal entzieht sich der Frage nach dem Warum

Als die Alliierten 1945 die Konzentrations- und Vernichtungslager befreiten, glaubten viele Überlebende, mit dem Ende des Holocaust sei die Geißel des Antisemitismus überwunden. Heute, 60 Jahre später, bekennt sich der Nobelpreisträger und Buchenwald-Überlebende Elie Wiesel voller Sorge zu seiner damaligen Naivität:

Niederlage, Befreiung oder Sieg

Der Umgang mit dem 8. Mai spiegelt die geistige Verfassung der Bundesrepublik wie ansonsten wohl nur jener mit dem 9. November. Bereits zum ersten, kleinen Jubiläum, nämlich 1950, wurde seitens der ersten Bundesregierung erwogen, den 8. Mai zu einem Gedenktag der Bundesrepublik zu machen.

Kunst ist kein Mahnmal

Seit der Dokumentation der "Verbrechen der Wehrmacht" hat wohl keine Ausstellung derartige Wellen geschlagen wie die am 21. September d.J. in Berlin eröffnete "Friedrich Christian Flick Collection" - und zwar bereits weit im Vorfeld der Eröffnung. Der Grundstock des Vermögens von F.C.

Mathematik und Krieg

Physiker, Chemiker und Biologen diskutieren seit langem Segen und Fluch ihrer Wissenschaften, unter anderem den militärische Gebrauch - und den Missbrauch - des von ihnen produzierten Wissens. Bedenken dieser Art sind bei Mathematikern eher selten.

Die Normalität des Referendums

Bevor die Bundesregierung ihre sture Ablehnung eines Referendums über die EU-Verfassung aufgab, hatte sie sich angesichts ihres Umgangs mit dieser Frage (mindestens) zwei schwere Vorwürfe gefallen lassen müssen: Zum einen ließ sich die ablehnende Haltung beim besten Willen nicht mit der in den Wahl- und Regierungsprogrammen proklamierten Demokratisierung der Gesetzgebung mi

Der tote Scheich im Hause Saud

Saudi-Arabien galt einst, sehr zur Beruhigung der internationalen Ölmärkte, als Hort der Stabilität im Nahen Osten. Doch mittlerweile gehört es zum Alltag, dass Terroristen und Sicherheitskräfte sich auf den Straßen blutige Gefechte liefern.