Von »Faschisten« und »Nazis«
Moskau hat die Begriffe »Nazismus« und »Faschismus« geschichtsrevisionistisch gewendet. Der Angriff auf die Ukraine könnte Putins Narrativ nun jedoch ein Ende bereiten.
Moskau hat die Begriffe »Nazismus« und »Faschismus« geschichtsrevisionistisch gewendet. Der Angriff auf die Ukraine könnte Putins Narrativ nun jedoch ein Ende bereiten.
Es ist der wahrscheinlich größten politischen Skandal der Bonner Republik: Ein Jahrzehnt lang ließen Bundeskanzler Konrad Adenauer und sein Kanzleramtschef Hans Globke den Führungskreis der SPD illegal ausspähen.
Die Ursachen des Ukraine-Krieges sind nicht in den Beziehungen zwischen Staaten und militärisch-politischen Blöcken zu finden, sondern in Russland selbst.
Die am 24. Februar 2022 begonnene russische Invasion der Ukraine wurde umgehend als eine der großen Zäsuren in der Geschichte Europas gedeutet, etwa in der Bundestagsdebatte vom 27. Februar. Und das völlig zu Recht: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es einen solchen Krieg zwischen selbstständigen Staaten in Europa nicht mehr gegeben.
Der Kalte Krieg begann, kaum dass der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Er war Konsequenz der Rivalität jener Großmächte, die siegreich aus dem Krieg hervorgegangen waren und nach 1945 zu Supermächten aufstiegen: USA und UdSSR. Beide wollten ihre Einflusssphären absichern und ausdehnen.
In Russland zeichnen dem Kreml nahestehende Denker ein Zerrbild von Europa. Die fatalen Folgen sehen wir derzeit unter anderem in der Ukraine.
Wie in vielen Ex-Sowjetrepubliken bestehen in Russland autoritäre Muster aus der Zeit der UdSSR fort – und sie prägen auch Putins Politik zutiefst.
Mehr als ein Dreivierteljahrhundert nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz befinden sich die Erinnerungskulturen in einem epochalen Wandel. Die Lebensgeschichte Esther Bejaranos zeigt dies beispielhaft.
Bettina Gaus, geboren im Gründungsjahr der „Blätter“ 1956, starb viel zu früh, am 27. Oktober 2021, kurz vor ihrem 65. Geburtstag am 5. Dezember.
US-Präsident Joe Biden möchte die Welt glauben machen, die Vereinigten Staaten wandelten sich, und zwar grundlegend. Die amerikanische Obsession mit Krieg sei vorbei, verkündete er im vergangenen Oktober der UN-Generalversammlung.
Im Zuge der schwierigen Koalitionsverhandlungen zwischen drei höchst unterschiedlichen Parteien mit disparaten normativen Wurzeln ist auch die Frage virulent geworden, was heute – in Zeiten der Corona- und Klimakrise – unter der Verteidigung der Freiheit und damit unter einem aufgeklärten Liberalismus zu verstehen ist.
Einhundertfünfzig Jahre nach seiner Proklamation im Spiegelsaal von Versailles wurde in Deutschland so heftig und so kontrovers wie schon lange nicht mehr über das Kaiserreich diskutiert. Der Jahrestag am 18. Januar bot dafür den Anlass, doch die eigentlichen Gründe für die Debatte liegen tiefer.
Wenn ich heute vor Ihnen stehe, fühle ich mich, wie ich mir vorstelle, dass sich Jona im Wal gefühlt haben muss: Verschluckt von einem großen Tier, ohne zu wissen, wie er einen Weg hinaus aus dem großen aufgewühlten Magen finden soll.
Der Versuch mutet eigenwillig an: Zeit, Leben, Denken und Handeln eines Menschen in eine gezeichnete Geschichte zu packen, eine Graphic Novel. Hier ist er ein Glücksfall. Schon weil sein Subjekt Frantz Fanon – Psychiater, Philosoph, Poet, Diplomat, Revolutionär – so einzigartig ist.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Ende Mai dieses Jahres die Nachricht, dass sich namibische und deutsche Regierungsdelegationen nach knapp sechs Jahren der Verhandlungen auf ein „Versöhnungsabkommen“ verständigt hatten, das die Anerkennung der zwischen 1904 und 1908 in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ an den OvaHerero und Nama verübten Verbrechen als Völkermord, eine Entschuldigung Deutschlands beim namibischen Staat und den Nachkommen der Opfer sowie Entschädigungszahlen beinhaltet.
Wenn der Mensch in Frieden und Wohlstand leben will, bedarf er eines Staates, der mit seinem Gewaltmonopol für Sicherheit und Ordnung sorgt. Dieser eine Satz enthält bereits das Kernargument jener berühmten Theorie, mit der Thomas Hobbes (1588-1679) in seiner Schrift „Leviathan“ die Notwendigkeit politischer Herrschaft begründet. Ohne den Schutz einer staatlichen Gewalt drohe jeder Einzelne der Raubgier oder dem Schwert seiner im Zweifel missgünstigen Mitmenschen zum Opfer zu fallen.
In diesem, für Deutschland so zerstörerisch-verregneten Sommer gab es zumindest einen kleinen Lichtblick: Die UNESCO erweiterte ihre Sammlung um gleich fünf deutsche Stätten. So etwas weckt natürlich Begehrlichkeiten.
Herfried Münkler gehört zu den produktivsten und wirkmächtigsten Intellektuellen des Landes. Zu seinem 70. Geburtstag hat er sich nun selbst mit einem neuen Werk beschenkt.
Lange galt die liberale Demokratie im Westen als selbstverständlich. Doch spätestens seit dem „Ereignis Trump“ und den apokalyptischen Bildern von der Erstürmung des Kapitols in Washington erscheint sie gefährdet.
Deutschland ist als republikanisch „verspätete Nation“ wahrlich nicht mit demokratischen Leuchttürmen gesegnet. Einer der wichtigsten unter ihnen ist zweifellos das Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße, auf dem sich 1832 die junge Demokratiebewegung konstituierte.
Es war eine gezielte Provokation, als der australische, derzeit in Großbritannien lehrende Historiker A. Dirk Moses am 23. Mai auf der schweizerischen Homepage „Geschichte der Gegenwart“ einen Text publizierte, dem er die Überschrift „Der Katechismus der Deutschen“ gab.
Das Jahr 2021 werde, wie die Pekinger „Volkszeitung“, das Zentralorgan der KP Chinas, voller Vorfreude schrieb, einen historischen Moment markieren, auf den man sonst tausend Jahre warten müsse, ja, den es in 5000 Jahren chinesischer Geschichte vielleicht so noch nicht gegeben habe. Denn China, so hat es der inzwischen auf unbegrenzte Zeit amtierende Vorsitzende Xi Jinping auf dem 19. Parteitag im Oktober 2017 verkündet, werde eine „Neue Ära“ eröffnen, in der die Partei das Land zu neuen, ungeahnten Höhen führen werde, getreu ihrer „Mission des Großen Wiederauflebens der chinesischen Nation“.
Schon bei ihrer Neubegründung 1896 waren die Olympischen Spiele ein Schauplatz für das gesellschaftliche Ringen um Emanzipation und Teilhabe – und sie sind es bis heute geblieben.
Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern, umgangssprachlich noch oft sexueller Missbrauch genannt, begleitet die Menschheit seit ihren Urvölkern. In der griechischen Antike besaß Päderastie sogar ein hohes Ansehen. Der Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber bezeichnet die griechische Erziehungs-Idee als „Phallosophie“, und die Kennerin des antiken Griechenlands, Eva Keuls, spricht von Athen sogar als einer „phallischen Herrschaft“. Trotz dieser langen Geschichte sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige markiert erst das Jahr 2010 eine echte Zeitenwende, jedenfalls in Deutschland.
Am 19. März kam es zum ersten Aufeinandertreffen von der neuen US-Regierung mit der chinesischen Führung – einem Datum von historischer Bedeutung, das an tiefe Verletzungen und Konflikte im chinesisch-amerikanischen, aber auch im chinesisch-japanischen Verhältnis rührt.