Schämt Euch!
Um das Jahr 1800, mit Beginn der industriellen Revolution, erreichte der Mensch einen noch nie dagewesenen Status: Er wurde zu einer Kraft, die den gesamten Planeten veränderte.
Um das Jahr 1800, mit Beginn der industriellen Revolution, erreichte der Mensch einen noch nie dagewesenen Status: Er wurde zu einer Kraft, die den gesamten Planeten veränderte.
Es hat viele Jahrzehnte gedauert: Was in Dokumenten und Reden lange Zeit „trauriges Ereignis“, „dunkles Kapitel“ oder „Gewaltexzess“ hieß, bezeichnet die Bundesregierung seit Juli, wenn auch noch nicht ganz unumwunden, als Völkermord.[1] Es geht um die
Es ist schwer zu erklären, warum der 100. Geburtstag von Albert O. Hirschman am 7. April dieses Jahres in Deutschland nahezu unbemerkt geblieben ist. Nur die „Frankfurter Rundschau“ brachte einen kurzen Artikel von Claus Leggewie. Dabei war Hirschman einer der unkonventionellsten und kreativsten Sozialwissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts.
Spätestens seit dem Roman „Die Elenden von Lódz´“ (2009) gehört Steve Sem-Sandberg zu den prägnantesten Autoren Europas. Seitdem wird gefragt, ob der 1958 geborene Schwede nicht eine literarische Rekonstruktion des Ghettos unter der Naziherrschaft wagt, die nur Zeitzeugen erlaubt sein sollte.
Mit großer medialer Resonanz wurden die Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag des Kriegsendes begangen. Sie stehen für einen tiefen Einschnitt in der deutschen Erinnerungskultur: Das Ende der Zeitzeugenschaft rückt immer näher.
70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges rücken Nuklearwaffen wieder ins politische Blickfeld: Sowohl Russland als auch die USA bringen ihre Arsenale auf den neuesten technischen Stand, von gemeinsamen Abrüstungsbemühungen ist derzeit nicht mehr die Rede.
Es ist das wohl bedeutendste kulturpolitische Projekt des noch jungen Jahrtausends in Deutschland und das größte in Europa, wie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, nicht ohne Stolz vermerkt. Zugleich ist es mit veranschlagten Kosten von 600 Mio.
Als am 24. März der Airbus 4U9525 der Lufthansa-Tochter Germanwings in Südfrankreich absichtlich zum Absturz gebracht wurde, war danach in den Medien umgehend reißerisch vom „größten Massenmörder in der deutschen Geschichte des 21. Jahrhunderts“ die Rede.
Im Frühjahr dieses Jahres folgten fast 600 marxistische Feministinnen aus 20 Ländern der Einladung des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu einem Kongress in Berlin.
Nur Zeitzeugen und Kennern der frühen Nachkriegsgeschichte wird die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) heute noch etwas sagen. Das war in der Hochzeit des Kalten Krieges in beiden deutschen Staaten anders. Namentlich im noch nicht durch die Mauer geteilten Berlin kannte wohl fast jeder die berühmt-berüchtigte Organisation.
70 Jahre sind, aus historischer Sicht, eine Petitesse. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 trennen uns heute nur gut zwei Generationen. Und tatsächlich scheinen die Mentalitäten und Einstellungen zahlreicher Deutscher, ob alt oder jung, in erschreckender Weise unverändert.
Seit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs im Gefolge des Ersten Weltkriegs steckt der arabisch-islamische Raum in einer tiefen Krise, deren Überwindung nur von innen heraus gelingen kann. Es handelt sich um eine gleichermaßen politische wie religiöse Krise, einen geschichtlichen Vorgang, den man mit dem Dreißigjährigen Krieg in Europa vergleichen könnte.
Man muss ihn einfach lieben, diesen Papst! Anfang April sorgte Franziskus wieder einmal für Aufregung. Doch diesmal ging es weder um die verträgliche Kinderzahl (nicht mehr als drei!) noch um nachhaltige Kinderzüchtigung (Klapps auf den Kopf, aber immer aus Liebe!).
Am 13. April starb im Alter von 87 Jahren der Schriftsteller und Bildhauer Günter Grass. 1999 mit dem Nobelpreis für sein literarisches Werk ausgezeichnet, war er stets auch ein eminenter homo politicus. Daher dokumentieren wir den ersten Teil seiner hellsichtigen Rede zum 1. Mai aus dem Jahre 1968 (gehalten in Hildesheim).
In zwei hessischen Universitätsstädten bildeten sich nach dem Zweiten Weltkrieg Schulen heraus, die einen prägenden Einfluss auf die linke Debatte in der Bundesrepublik nehmen sollten. Neben der bekannteren Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno entstand eine Marburger Schule um den Politikwissenschaftler und Juristen Wolfgang Abendroth.
Vor 40 Jahren, am 17. April 1975, begann der Einmarsch der Roten Khmer in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh.
Kein Land in der modernen Geschichte hatte je eine solch globale Militärmacht wie die USA. Trotzdem argumentieren einige Analysten nun, dass das Land in den Spuren Großbritanniens wandele – dem letzten globalen Hegemon, der einen Niedergang erlebte. Diese historische Analogie führt jedoch trotz ihrer wachsenden Popularität in die Irre.
Petzow am Schwielowsee, März 2015. So schön sie sein mag, die Landschaft, so elegisch doch auch, zumal in diesem Frühjahr, dem kein ordentlicher Winter voranging, so dass an vielen Bäumen noch das Herbstlaub hängt.
Am 1. April jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag Otto von Bismarcks, des einzigen deutschen Politikers von Weltrang am Beginn des Industriezeitalters. Seine zentrale Frage – welche Rolle kann und sollte Deutschland als stärkstes Land in Europa spielen – ist heute aktueller denn je.
Als am 16. März 1915 der deutsche Konsul Paul Schwarz auf einer Reise von Erzurum nach Istanbul im zentralanatolischen Harput eintraf,[1] hatte sich für ihn spürbar etwas im Land verändert. Am Abend machte er dem Vali Sabit Bey seine Aufwartung.
Was für ein Jahresauftakt: Infernalischer Terror im Nahen Osten, in Afrika, aber auch in Paris, im Herzen Westeuropas, außerdem ein Krieg in der Ostukraine durch russische Waffenlieferungen an die Separatisten – und damit, bei Waffenlieferungen des Westens an die Gegenseite, die Gefahr eines neuen Stellvertreterkrieges mit unbegrenztem Eskalationspotential.
Wenn in diesem Jahr der deutschen Einheit vor 25 Jahren gedacht wird, überwiegen ganz eindeutig die positiven Einschätzungen.
Über Orlando Figes‘ 1996 erschienenes Werk „Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der Russischen Revolution 1891 bis 1924“ schrieb der höchst sachkundige Eric Hobsbawm, es „wird mehr zum Verständnis der Russischen Revolution beitragen als irgendein anderes Buch, das ich kenne“.
Russland ächzt unter der Finanzkrise – der Wert des Rubels sinkt drastisch; große Unternehmen stecken in der Klemme; Familien fürchten um ihre Ersparnisse, und dem Regime sagen Kommentatoren eine ungewisse Zukunft voraus. Aber reden wir da von 2014, 2008 oder 1998? Nun, wir erleben derzeit die dritte wirtschaftliche Krisenrunde im postsowjetischen Russland.
Vor siebzig Jahren wurden die wenigen Überlebenden von Auschwitz von den vorrückenden russischen Truppen befreit. Der 27. Januar ist seitdem ins Gedächtnis der Welt eingebrannt als der Tag, da die Nazi-Verbrechen in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit zu Tage traten.