Klamotten-Moral
Seit Wochen schleicht er mitleidserregend durch die Lindenstraße, der idealistische Lehrer mit der Sammelbüchse für die bosnischen Flüchtlingsfrauen.
Seit Wochen schleicht er mitleidserregend durch die Lindenstraße, der idealistische Lehrer mit der Sammelbüchse für die bosnischen Flüchtlingsfrauen.
Johannes Heesters durfte seinen 90. Geburtstag mit einer Gala im öffentlich-rechtlichen Fernsehen feiern (am 5.12.1993 um 20.15 Uhr). Aber das ZDF hat damit nicht gegen seinen Programmauftrag verstoßen: Frohsinn zu verbreiten in diesen apokalyptischen Zeiten, gehört auch dazu.
Trotz der epochalen Ereignisse des Jahres 1989 hat sich am deutschen Politikverständnis und am Parteiensystem wenig gewandelt: Die christdemokratisch-liberale Koalitionsregierung behielt ihre Mehrheit in den ersten gesamtdeutschen Wahlen. Die SPD blieb Oppositionsführerin.
Die neue Familienserie der ARD, von Radio Bremen fürs Vorabendprogramm produziert, scheint den Machern des Ersten sehr am Herzen zu liegen. Das Ergebnis ist die perfekt austarierte Mischung derzeit gängiger Einschaltquotenrenner: Zehnminuten-Alltagsprobleme im Ambiente strahlend-sorgenvoller Eltern und aufsässig-angepaßter Kids.
Jane Campions preisgekrönter Film Das Piano erzählt die Geschichte einer Frau, die an einen Farmer nach Neuseeland verheiratet wird, den sie nie vorher gesehen hat. Ihren wichtigsten Besitz, ein Klavier, hat sie aus England mitgebracht, aber das will der Mann gar nicht erst bis zum Wohnhaus schleppen lassen.
Geschichte schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen. (Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen.)
Der "Appel a la vigilance" antwortet auf sich in jüngster Zeit häufende irritierende Nachrichten, die auf eine zunehmende Konfusion im intellektuellen Leben Frankreichs hindeuten.
"Suchet der Stadt Bestes."
Motto des ersten Friedensgebetes am 4. Oktober 1989 in Weimar
1. Daß die herrschenden Kräfte einer Gesellschaft ihrem Verständnis von Geschichte und Politik unter anderem in Form von Denkmälern Ausdruck verleihen, ist seit dem 19. Jahrhundert üblich und grundsätzlich legitim.
Ein Beben hat das politische System Japans heimgesucht. Es war außerordentlich stark und hat insbesondere die Parteienlandschaft getroffen. Wie immer nach solch einer schweren Erschütterung fällt es nicht leicht, die unmittelbaren Wirkungen und längerfristigen Folgen sofort abzuschätzen.
Die Fernsehzeitschrift Bild + Funk übte sich in Ausgewogenheit: "Wie schön, daß es noch möglich ist, solche Filme zu drehen", durfte sich der eine Kritiker freuen und Die zweite Heimat "ein Meisterwerk" nennen.
Mit Kulturkreisen, die "mit dem unseren vor und nach Prinz Eugen nichts gemein" haben 1), ist das so eine Sache. Rudolf Augstein hätte es wissen können.
Mein Beitrag ist faktisch überflüssig geworden, denn ich stimme fast Wort für Wort dem zu, was Peter Bender im Maiheft dieser Zeitschrift (S. 585-587) zum Thema geschrieben hat.
Für Jens Reich war der Gang in das neueste Deutschland genauso konzeptionslos wie der von 1870/71. Die Bewußtseinslage der Deutschen habe etwas Gartenzwerghaftes. Was die Konzeptionslosigkeit betrifft, so beruht ein Teil der Brutalität des kapitalistischen Systems, so meine ich, auf der weitgehenden Überflüssigkeit von Konzepten und Ideen, von Vernunft überhaupt.
Die deutsche Einheit bedarf keiner Begründung. Es war nur natürlich, daß die Menschen in der DDR, sobald sie Gelegenheit dazu hatten, ein unnatürliches Regime abschüttelten, für das es gute Gründe nicht gab; nicht aus nationalem Überschwang, sondern weil es in jeder Hinsicht unterlegen war: wirtschaftlich, sozial, demokratisch.
Vier Fragen haben Sie gestellt - sie verdienen wirkliche Antworten, nicht noch mehr staatstragenden Dampf, an dem das Land schon lange zu ersticken droht.
Begründungsdefizit deutscher Einheit?
Unsere politische Klasse, soweit die ihr Angehörenden an den Schalthebeln der Macht sitzen, verkündet uns dreimal am Tag, alles stünde zum besten.
Was ist in Deutschland geschehen seit 1989? Vereinigung, Wiedervereinigung, Einheit, neue Identitätsstiftung? Nun denn: - Staatspolitisch ist aus der DDR ein Beitrittsgebiet der BRD geworden.
1. Wenn die Vereinigung während der letzten drei Jahre nicht so gründlich verdorben worden wäre, dann gäbe es heute kein "Begründungsdefizit" für die Einheit. Nicht das Fehlen einer Konzeption oder Idee, wie Jens Reich und Friedrich Schorlemmer meinen, ist der Grund für unsere Misere, sondern das Fehlen von Politik.
Die DDR und die alte Bundesrepublik hatten eine gemeinsame Vorgeschichte und in der Systemkonfrontation je eigene, aber wechselseitig verklammerte Geschichten.