Thema Kultur
Was zusammengehört
Was ist in Deutschland geschehen seit 1989? Vereinigung, Wiedervereinigung, Einheit, neue Identitätsstiftung? Nun denn: - Staatspolitisch ist aus der DDR ein Beitrittsgebiet der BRD geworden.
Die wichtigste Begründung heißt Solidarität
1. Wenn die Vereinigung während der letzten drei Jahre nicht so gründlich verdorben worden wäre, dann gäbe es heute kein "Begründungsdefizit" für die Einheit. Nicht das Fehlen einer Konzeption oder Idee, wie Jens Reich und Friedrich Schorlemmer meinen, ist der Grund für unsere Misere, sondern das Fehlen von Politik.
Mentale Blockaden
Die DDR und die alte Bundesrepublik hatten eine gemeinsame Vorgeschichte und in der Systemkonfrontation je eigene, aber wechselseitig verklammerte Geschichten.
Sendet zwei, drei, viele Motzkis!
Friedhelm Motzki führt den Hund Bismarck Gassi, und eine Radfahrerin verheddert sich in der zu langen Leine, ökologische Äpfel rollen aufs Pflaster.
Deutschland was nun?
Ein Kind erhält unverhofft ein lang ersehntes Geschenk. Eigentlich war dieses Geschenk nur vage versprochen worden, und zwar als Lohn großer Anstrengung. Voller Freude läßt das Kind die gerade begonnenen dringlichen Hausaufgaben liegen und nimmt das neue Spielzeug.
Traurig
Ein Provinztheater ist an und für sich etwas Trauriges. Mit den großen Bühnen, die per Fernsehen ins Haus geliefert werden, kann es nicht konkurrieren, finanziell nicht und künstlerisch nicht. Hohe Kultur unter Menschen zu bringen, die aber, wenn überhaupt, nur die Spitzenleistungen konsumieren, ist ein frustrierendes Geschäft.
Zwischen Globalisierung und Fragmentierung
Die Welt als Schicksalsgemeinschaft
Während der vergangenen fünfzehn Jahre ist das Bewußtsein in der Welt darüber gewachsen, daß die Menschheit in manchen Dimensionen ihrer Existenz zu einer globalen Schicksalsgemeinschaft geworden ist.
Apokalypse 1492
Christoph Kolumbus war sicher ein Mann, der von einer Idee besessen war: den Weg nach Westen zu entdecken und schneller zu den Reichtümern Asiens zu kommen.
Das deutsche Volk und seine Feinde
Seit vielen Monaten kreist das Sinnen und Trachten der Politiker, das Räsonnieren der Medien und das Grollen der Bürger um die Frage, wie man sich hierzulande der Asylbewerber erwehren kann.
Sinnliches, sinnig
Das Heft ist großformatig und hochglanzkaschiert, die Seiten sind kartonartig fest, wenn man sie aufschlägt, um zu lesen, knistert die Klebebindung gefährlich. Es ist eine Zeitschrift - wie sie heißt, sieht, wer sie nicht kennt, erst auf den zweiten Blick: Blimp.
Die deutsche Burschenschaft in der Vereinigungskonjunktur
Wenn sich in diesen Tagen zahlreiche Kooperationsverbände, allen voran die Deutsche Burschenschaft, in Eisenach treffen, um auf der Wartburg dem 175 Jahre zurückliegenden Treffen von nahezu fünfhundert freiheitlich-antifeudalistisch gesinnten Studenten zu gedenken, wird es um mehr als historische Reminiszenzen gehen.
Schonprogramm
Ein langsamer, ganz langsamer Schwenk in Richtung links. Ein größerer Raum erschließt sich dem Blick. Er ist rechteckig, hat gegenüberliegende Doppeltüren, an einer Längsseite ist eine Art Galerie, zu der eine Treppe hinauf- und von der eine zweite wieder herabführt - oder umgekehrt. Was da oben ist, verdeckt eine Sperrholzwand.
Schaukämpfe (2)
Das wirkliche Leben als Salz in der Suppe der Fiktion. "Wir bewegen uns weg vom Serien-Kladderadatsch hin zur Wirklichkeit", sagt ausgerechnet der Moderator einer der neuen realitainment-Sendungen (Wortschöpfung diesmal von mir) des Kanals, der immer noch hauptsächlich mit Serien seine Werbeeinnahmen sichern muß.
Die Aufholjagd ruiniert die ganze Gesellschaft
Die Kluft, die den Osten vom Westen der neuen Bundesrepublik trennt, ist unübersehbar, und so bald wird sie nicht verschwinden. Die Ernüchterung über diesen Befund weicht inzwischen zunehmender Nervosität. Ein vergleichsweise alltäglicher politischer Vorgang wie die Etablierung einer ostdeutschen Vereinigung (vgl.
Schaukämpfe
Im neuen dualen System sind die privaten Anbieter von Fernsehprogrammen laut Gesetz verpflichtet, auch bildende und informative Sendungen auszustrahlen, deren Anteil an der Sendezeit festgelegt ist. Dieser Zwang führt dazu, daß solche Programmteile faktisch aus der kommerziellen Logik herausfallen: Sie unterliegen nicht dem Einschaltquoten-Diktat.
Soviel Ende war nie
Soviel Ende war nie. Die alte Bundesrepublik droht in der Einheitsfalle zu verschwinden. Mit den Zeiten relativer Homogenität und ungebrochener Prosperität ist es vorbei. Die Volksparteien geraten auf die Liste der gefährdeten Gattungen. Politikverdrossenheit macht sich breit. Die Erwartungen in die Kompetenz der Berufspolitiker schrumpfen.
Ansprache von Prof.Dr.Helmut Ridder auf der Trauerfeier für Prof.Dr. Gerhard Riege am 5.März 1992 im Luther-Haus zu Jena (Wortlaut)
Sehr verehrte liebe Frau Riege, verehrte Familie Riege, sehr geehrte Freunde Kollegen, Mitarbeiter und Schüler von Gerhard Riege! Ich danke Ihnen allen dafür, daß ich in dieser unwiederholbaren Stunde zu Ihnen sprechen darf. Wir haben uns hier nicht versammelt, um von Gerhard Riege Abschied zu nehmen oder ihn gar zu verabschieden.
Die Welt als Schrebergarten
Der technische Aufwand ist beträchtlich: sechs Diaprojektoren sind durch Computer so gesteuert, daß jeweils drei von ihnen zusammen ein einziges Bild auf eine Leinwand werfen, die gut 30 Meter breit ist. Sie sind so perfekt justiert, daß die Grenze zwischen den Drittel-Bildern kaum bemerkbar ist.
Gleichheit und Bürgerstolz
"Kommunitarismus" lautet ein neues Kennwort der politischen Diskussion. Der Theorieimport aus den USA ist vieldeutig. Unterschiedliche politische Positionen und Werthaltungen knüpfen sich daran; sie reichen von linken und linksliberalen Stimmen bis hin zu konservativen Voten.
Volk ohne Traum
Das vereinte Deutschland hat seinen langatmigen Skandal. Auf eine kurze Formel gebracht, lautet er: Auch Intellektuelle und Dichter sind keine besseren Menschen. Wo gespitzelt wird, spitzeln auch sie. Dieses triviale Skandalon reibt sich an der beliebten Vorstellung, Dichter seien das "Gewissen der Nation".
Es ist an der Zeit, dass einer aufsteht und nein sagt
Mit einer Rede unseres Mitherausgebers Günter Gaus eröffnete der Bertelsmann Unternehmensbereich Buch am 2. Februar d.J. in Dresden eine neue Folge der, in der Vergangenheit in München vorgetragenen, "Reden über das eigene Land" / "Reden über Deutschland".